August Macke - Wagen in silberner Straße

August Macke - Wagen in silberner Straße - image-1
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August Macke

Wagen in silberner Straße
1913

Aquarell, Gouache, farbige Tusche und Silberbronze auf dünnem Japanbütten 37,3 x 26,6 cm Unter Glas gerahmt. Auf einem Beiblatt mit dem Stempel "Nachlass August Macke" (Lugt 1775b) versehen, darin mit brauner Tinte nummeriert, betitelt und datiert "F.Z. 37 Wagen in silberner Strasse 1913" und der Bestätigung der Aufnahme in das Werkverzeichnis vom Sohn des Künstlers, Dr. Wolfgang Macke, Bonn 14.1.1952. - An den linken Ecken mit rückseitigen nach vorn minimal durchdrückenden Resten ehemaliger Papiermontierung, der rechte Rand mit unauffälligen leichten Knickspuren.

Im November 1910 kehrt August Macke mit seiner Frau Elisabeth und Sohn Walter nach der Hochzeitsreise von Paris und einem längeren Aufenthalt am Tegernsee nach Bonn zurück; sie wohnen zunächst bei ihren Eltern, bis sie das Haus an der Bornheimer Straße mit ausgebautem Atelier beziehen können. „Das Atelier“ so Elisabeth Macke in den Erinnerungen an ihren Mann, „hatte große Fenster nach drei Seiten und oben ein großes Oberlicht. Man konnte weit in die Gegend sehen, die Ringstraße hinauf fast bis zur Cölner Chaussee mit dem Turm der Irrenanstalt. Es war eine belebte Straße, die täglich andere Bilder bot. [...] Vom Atelierfenster aus der Blick auf die Marienkirche, die von Vorstadthäusern umgeben, jeden Tag sich in anderer Stimmung zeigte.“ (Elisabeth Erdmann-Macke, Erinnerungen an August Macke, Frankfurt a. M. 1987, S. 213).
Mit diesem feinen, ‚leichtfüßig' anmutenden Aquarell auf transparentem Japanpapier skizziert uns der Künstler einen fiktiven Blick aus dem Atelierfenster und mischt diesen mit der Sicht über den Gartenzaun auf die nächtliche Straße: Im Hintergrund links der neugotische Turm der Marienkirche, der Fabrikschornstein, die Häusern und Fassaden gegenüber. Eine mit Gas gespeiste Laterne und der silbrige Lichtstrahl des hoch stehenden Vollmondes beleuchten hell die Szene mit dem vorbeieilenden offenen Landauer. Ungebrochene, leuchtende Farben setzt Macke mit kräftigen Pinselstrichen wie Konturlinien nebeneinander und beschreibt mit einem gewissen Augenzwinkern das städtische Motiv. August Macke liebt das hintergründige, humorvolle Schildern bisweilen romantisch grotesker Begegnungen wie diese hier zu der späten Stunde. So markiert der Künstler die von den Pferdebeinen geworfenen Schatten nur mehr mit zwei schnell gesetzten X-Zeichen.

Werkverzeichnis

Heiderich Nachtrag 329 a; Heiderich Zeichnungen 2198; Vriesen 1957, 309 (mit falscher Abb.)

Provenienz

Galerie Vömel, Düsseldorf (1953); Sammlung Dr. Eduard Houdremont, Essen (1957); Privatbesitz Berlin

Ausstellung

Bonn 1918 (Museum Villa Obernier - Gesellschaft für Literatur und Kunst. Dramatischer Verein), August Macke; New York 1952 (Galerie Gerson), Kat. Nr. 13 (Wagon on the road?); Bielefeld 1957 (Städtisches Kunsthaus), August Macke-Aquarelle, S. 38 mit Abb. (nicht ausgestellt)

Lot 212 Dα

Schätzpreis:
40.000 € - 50.000 €

Ergebnis:
86.800 €