Pierre Bonnard - Le jupon écossais (Le modèle au grand chapeau)

Pierre Bonnard - Le jupon écossais (Le modèle au grand chapeau) - image-1
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Pierre Bonnard

Le jupon écossais (Le modèle au grand chapeau)
1907

Öl auf Leinwand 58,5 x 64,5 cm Gerahmt. Unten rechts braun signiert 'Bonnard'. - In schöner Erhaltung.

„Es wurde oft gesagt, daß Bonnard der malerischste Maler seiner Generation sei […]. Denn er überwindet alle Schwierigkeiten scheinbar spielerisch; und er findet immer das Mittel, ernst genommen zu werden, obwohl er die witzigste und phantasiereichste Kunst der Welt pflegt“, schrieb Gustave Coquiot 1914 über Pierre Bonnard (zit. nach: Irina Fortunescu, Bonnard, Bukarest 1980, S. 10). Auch andere Zeitgenossen preisen den Humor und die Nonkonformität des Künstlers.
Diese Charakteristika zeigen sich deutlich in seinen Interieurszenen der frühen 1900er Jahre. Der Künstler erfasste Situationen in privaten Räumlichkeiten, in denen sich die Protagonistinnen des externen Beobachters kaum bewusst zu sein scheinen. Die in sich selbst versunkenen, oft nur nachlässig gekleideten Frauenfiguren sind entspannt und ungezwungen wiedergegeben, achtlos abgeworfene Kleidungsstücke verdeutlichen die zwanglose Intimität der Situation. Mittels unkonventioneller Bildmittel erzielt Bonnard die Wirkung eines scheinbar absichtslosen und spontan eingefangenen Moments.
Auch unser Werk zeugt von der Lust Bonnards am Spiel mit Darstellungskonventionen. Die nur halb bekleidete Frau, die sich lesend in ihre Privaträume zurückgezogen hat, konnte sich dennoch nicht dazu entschließen, ihre elegante Hutkreation abzulegen, ihr schweifender Blick gilt weder ihrer Lektüre noch dem Betrachter. Die nachlässig auf dem Sessel abgelegten Kleidungsstücke beanspruchen eine ihr nahezu ebenbürtige Stellung im Bild. Der titelgebende Rock im Schottenkaromuster sticht als farblich auffallendstes Element hervor, er nimmt das Weiß, Grün und Schwarz der anderen Stoffe auf und ergänzt sie um rote Akzente. Durch die verhaltene Farbigkeit des Innenraumes werden diese koloristischen Details umso pointierter zur Geltung gebracht, es entsteht eine lebendige Atmosphäre von besonderer Unmittelbarkeit.

Werkverzeichnis

Dauberville 479

Provenienz

Bernheim-Jeune, Paris, 1907 direkt vom Künstler erworben; Christie's London, Impressionist and Modern Paintings and Sculpture, 3. April 1989, Lot 17; Privatsammlung, Schweiz

Literaturhinweise

Bulletin de la Vie artistique, Vol. I, Nr. 16, 15. Juli 1970, S. 464 (mit Abb.)

Ausstellung

Antwerpen 1920, Salon Triennal d'Anvers; London 1954 (Galerie Wildenstein & Co.), Paris in the Nineties, Nr. 7; Paris 1961 (Musée Jacquemart-André), Collections particulières, Nr. 107; Paris 1966 (Galerie Maeght), La Revue Blanche

Lot 26 Dα

Schätzpreis:
280.000 €