Lovis Corinth - Meißener Schale mit Teerosen

Lovis Corinth - Meißener Schale mit Teerosen - image-1
Lovis Corinth - Meißener Schale mit Teerosen - image-2
Lovis Corinth - Meißener Schale mit Teerosen - image-3
Lovis Corinth - Meißener Schale mit Teerosen - image-1Lovis Corinth - Meißener Schale mit Teerosen - image-2Lovis Corinth - Meißener Schale mit Teerosen - image-3

Lovis Corinth

Meißener Schale mit Teerosen
1911

Öl auf Leinwand. 53,4 x 85,3 cm. Gerahmt. Oben rechts hellrosa signiert 'Lovis Corinth'. - In sehr gutem Erhaltungszustand.

Blumenstillleben sind ein bevorzugtes Thema im Werk von Lovis Corinth. Im Jahr 1911 entstehen zudem vermehrt querformatige, breit angelegte Bouquets wie auch das hier angebotene (vgl. z.B. Cat. Rais. Berend-Corinth 480, 481, 503). Im Gegensatz zu diesen, ist auffällig, dass Corinth sich hier einer einzigen Blüte gewidmet hat, nämlich der Teerose. In Varianz und Üppigkeit breitet sie sich gleichsam hingegossen in grandioser Opulenz in ihrem Gefäß aus. Diese ovale Schale gibt dem kaum zu bändigenden Rosenstrauß die Form und ist bereits im Titel erwähnt. Es handelt sich um den „Meißner Korb“, eine Mitte des 18. Jahrhunderts konzipierte, durchbrochene Porzellanschale, hier in Blau- und Goldstaffierung. Diese Schale stand auf dem Tisch von Corinths Gastgeberin – einer Cousine der Galeristen Cassirer – , als der Maler diese laut seiner Frau, dort entzückt wahrnahm. Daraufhin erhielt er das Arrangement am folgenden Tag in sein Atelier geliefert, wo es umgehend gemalt wurde (s. dies., S. 131). Konventionell im Aufbau, präsentiert sich das Blumenstillleben auf einem drapierten Tuch, welches in schönster Manier Edouard Manets beinahe gegendstandsungebunden erscheint und besonderer Aufmerksamkeit bedarf. So löst es sich wie auch teils die verblühenden Rosenköpfe in seiner Form auf und zeigt bereits Corinths ungebändigten Willen zu reiner Malerei.
Auch Cathrin Klingsöhr-Leroy sieht noch in den „späte[n] Blumenbilder[n…] Beispiele einer Virtuosität, die den Bildgegenstand vernachlässigt, um ihm Realität zu verleihen. Corinths Pinselstrich, dessen Schnelligkeit man mit dem Auge kaum folgen kann, umreißt nicht die Form, sondern bezeichnet die Substanz. […] Corinths Blumen sind Vorwand für reine Malerei, für fast abstrakte Farbkompositionen […]. Sie bilden eine Struktur, ein Zeichensystem, das zugleich verfremdet und intensiviert. Die Blumen verlieren ihre Form, die Gefäße das Volumen, der Raum an Tiefe, aber alles gewinnt an Lebendigkeit, an Energie, die der Geste des Malers entspringt.“ (in: Ausst. Kat. Lovis Corinth. Blumenbilder. Köln/Paris/St. Moritz 2022. Galerie Karsten Greve, S. 32)

Werkverzeichnis

Berend-Corinth 507

Provenienz

Dr. Mauthner, Berlin; Dr. A. Orgler, Berlin; Privatbesitz; Galerie Kunstsalon Abels, Köln (rückseitiges Etikett auf Keilrahmen); Georg Schäfer, Schweinfurt; Privatbesitz; Kunsthandlung Resch, Gauting; Privatbesitz; Galerie Dr. Bühler, München (1974); seitdem Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Ausstellung

Berlin 1913, Berliner Sezession, Nr. 211; Berlin 1915 (Fritz Gurlitt), Nr. 33; Berlin 1918, Berliner Sezession, Nr. 71; Potsdam 1921 (Stadtschloß), Potsdamer Kunst-Sommer, Nr. 16 (rückseitiges Etitkett auf Keilrahmen); Berlin 1923 (Nationalgalerie), Nr. 25; Berlin 1926 (Nationalgalerie), Nr. 207; Kassel 1926 (Kunstverein), Nr. 38

Lot 14 Dα

Schätzpreis:
250.000 € - 350.000 €

Gebot
Zustandsbericht anfordern