Paul Cezanne - Entrée de maison et arbres

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Paul Cezanne

Entrée de maison et arbres
1895-1900

Aquarell und Graphitstift auf Velin. 31,4 x 25/27,2 cm. Unter Glas gerahmt. Unbezeichnet. Rückseitig undeutlich mit Bleistift bezeichnet "no. 164 Gerard".

Paul Cezanne dürfte in den ländlichen Gegenden der Île de France oder schon in seiner Wahlheimat Provence gewesen sein, als dieses zauberhafte Landschaftsaquarell entstand. Bis ins hohe Alter liebte er es, die in der Nähe von Aix liegenden Landschaften zu durchwandern und scheinbar zufällige Ausschnitte festzuhalten. Zart gesetzte Bleistiftlinien bilden hier das Gerüst, an dem meist parallel gesetzte Aquarellflecken in Blau, Grau und Grün ansetzen. In dieser reduzierten Farbskala vermitteln sie die Vorstellung einer langgezogenen Hausmauer mit einer dunkel schattierten Tür, hinter der sich teils hochgewachsene Bäume und die Umrisse eines Gebäudes erheben. Dies entspricht seiner Neigung, den Blick auf weite Landschaftsräume durch architektonische Elemente einzuschränken, um Nahes mit Fernem zu verbinden. Kompositorisch geschickt führte er hierfür diagonal laufende Elemente ein, in diesem Fall die ausgreifenden Äste, die unseren Blick in die Tiefe ziehen. Thematisch gehört das Aquarell zu einer Werkgruppe von Papierarbeiten, die bewaldete Landschaften mit ausgewählten Architekturelementen verbinden und so rechtwinklige mit vegetabilen Formen in Einklang bringen.
Die Aquarellmalerei nimmt in Cezannes Gesamtschaffen einen bedeutenden Raum ein. Seit etwa 1885 hatte sie einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf seine Ölmalerei, und umgekehrt übertrug er die Technik des Aquarellierens vor allem auf seine Landschaftsbilder. Nachdem er anfangs meist Nass in Nass malte, ging er später zu einer Malweise mit übereinandergelegten Farben und wechselseitiger Überblendung über. Mit der Zeit ließ er auch das Grundweiß des Papiers stehen, um es bewusst in die Komposition einzubeziehen.
Den Autoren des Werkverzeichnisses zufolge handelt es sich bei dem Aquarell nicht um ein Fragment, sondern um ein reguläres und von Cezanne häufig verwendetes Zeichenpapierformat (31 x 24 cm). Wie auch im Falle des Aquarells „Pistachier dans la cour de Château Noir I“ von 1900 (Nr. 1449) wird angenommen, dass er noch während des Malprozesses einen schmalen Streifen ergänzte, um die Mauer und den Grünstreifen weiterführen zu können. Das Aquarell verliert dadurch nichts von seinem Zauber – im Gegenteil, es gewinnt an Authentizität. Dementsprechend wurde die lange im Privatbesitz befindliche Arbeit erst jüngst in das Verzeichnis aufgenommen. Aquarelle von Cezanne sind im deutschen Kunsthandel äußerst selten.

Werkverzeichnis

FWN 1539

Zertifikat

Wir danken Walter Feilchenfeldt, Jayne Warman, David Nash und Fabienne Ruppen für freundliche bestätigende und ergänzende Informationen.

Provenienz

Ehem. Privatsammlung Rheinland; seitdem in Familienbesitz

Literaturhinweise

Walter Feilchenfeldt, Jayne Warman and David Nash, The Paintings, Watercolors and Drawings of Paul Cezanne: An Online Catalogue Raisonné (www.cezannecatalogue.com), Nr. FWN 1539 (mit Farbabb.)

Lot 33 Dα

Schätzpreis:
130.000 € - 150.000 €

Ergebnis:
189.000 €