Auktion 840, Alte Kunst, Mai 2003, 17.05.2003, 10:30, Köln Lot 1370

Franz Ludwig Catel, DER WANDERER.

Franz Ludwig Catel, DER WANDERER., Auktion 840 Alte Kunst, Mai 2003, Lot 1370

Verso signiert: Catel.

Öl auf Leinwand. H 31,5; B 44,5 cm.

Provenienz

Norddeutsche Privatsammlung.

Eine größere von 1831 stammende Fassung dieser Komposition befindet sich im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg (vgl. Kat. "Carl Blechen - zwischen Romantik und Realismus", Berlin 1990, S. 238f.). Zu dem Nürnberger Gemälde vgl. P.-K. Schuster, Catel und Goethe, Zur Entstehung der realistischen Bildungslandschaft, in: Festschrift für R. Brinkmann, Tübingen 1981, S. 164-200.

Catel zeigt hier den Blick auf den Golf von Neapel bei Cumae mit dem sog. Venustempel von Baiae; rechts sieht man das Kap Miseno, Procida und die Bergrücken von Ischia. Als Staffagefiguren dienen eine junge Frau mit zwei kleinen Kindern und ein junger Mann, offensichtlich ein Wanderer. Aus ihrem Dialog wird deutlich, daß Catel die Darstellung der Landschaft mit der Illustrierung von Goethes Hymnus "Der Wanderer" (1775) verbindet. Die Frau: "Welch Gewerb treibt dich/ durch des Tages Hitze/ Den staubigen Pfad her?/ Bringst Du Waaren aus der Stadt/ Im Land herum?/ Lächelst, Fremdling,/ Über meine Frage?" Der Wanderer: "Keine Waaren bring ich aus der Stadt:/ Kühl wird nun der Abend./ Zeige mir den Brunnen,/ Draus du trinkest,/ Liebes junges Weib!"

Im Berliner Blechen-Katalog von 1990 wird der Hymnus und seine Interpretation durch Catel folgendermaßen analysiert: "Ein gebildeter Reisender sinnt über den Verfall der menschlichen Meisterwerke und gehorcht der Führung einer Frau, die ihn in ihre einfache Hütte, ein Erdloch mit Strohvordach, einlädt. Der Reisende wird mit seinem Blick in einen Sarkophag an die Vergänglichkeit, von der Frau und ihren Kindern an das Wiederaufblühen neuen Lebens erinnert. Catel, der Goethe persönlich kannte, zeigt damit in idealer Anschauungsform das paradiesische Umland Neapels als arkadische Stimmungslandschaft". Es gelang dem Künstler in einzigartiger Weise, eine topographisch genau bestimmbare Vedute mit literarisch-poetischem Sinngehalt zu versehen und dadurch für die Käufer seiner Werke, die vermögenden und gebildeten Italienreisenden, doppelt interessant zu gestalten.

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