Piero Dorazio - Sospetto di forma

Piero Dorazio - Sospetto di forma - image-1
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Piero Dorazio

Sospetto di forma
1958

Öl auf Leinwand. 146 x 113,5 cm. Unten rechts in Grün signiert und datiert

Über die Farbe in der Malerei äußerte sich Dorazio 1962 " [...], da sie mich gebeten haben, etwas darüber zu schreiben, was ich mir von der Eigenart, d.h. den komplexen Möglichkeiten der Existenz der Farbe in der Malerei vorstelle: hier ist das Ergebnis. [...] Farbe ist ein fundamentaler Raumwert und ein fundamentaler Wert in der Sprache der Malerei. Eine Sprache der Zeichen, die inständig auf eine immer wahrhaftere oder visionäre Sichtbarmachung des Raums hinzielt. [...]
Ich glaube, daß man sich weder bildlich noch gedanklich den gesamten Zusammenhang zwischen Mensch und Raum ohne Farbe vorstellen kann - aber man kann es durch Malerei. [...] Wissenschaftler können [...] Naturphänomene wie Regen, Licht und Kraft künstlich erzeugen: die Maler gestalten mit der Farbe vollständig neue Phänomene, die so glaubhaft sind, wie jeder bekannte Aspekt der Natur: Geräusch, Schweigen, Dunkelheit, Furcht, Besonnenheit oder Freude. Die Farbe ermöglicht es deshalb, mehr als Raum darzustellen, unseren Standort im Raum zu bezeichnen, das heißt genau zu sehen, wo wir stehen. Heute gibt es nicht mehr die Frage nach der Darstellung unseres Verhältnisses zum Raum mit Hilfe der Interpretation von etwas, von Gegenständen oder von Ideen. Wir sollten deshalb Farbe nicht verwenden als eine Möglichkeit der Beschreibung, sondern als eine Möglichkeit der Besänftigung unserer Unzufriedenheit mit der Art und Weise, wie wir gewohnt sind wahrzunehmen, zu sehen und zu reagieren. [...]
Ich persönlich möchte gerne eine Methode 'Farbe zu verwenden' entwickeln, wo Technik und Poesie zusammengebracht werden können. Innerhalb der Zeit und innerhalb des Prozesses selber. Ein Prozess des Handelns in eine bestimmte Richtung. Man muß mit dem Mittel der Farbe einen Raum gestalten, der selbst eine lebendige Wirklichkeit ist, worin andere das lebendige Fortschreiten des Daseins und das Wachsen als eine Tatsache ablesen können. Ich wollte, man könnte eine Farbe erschaffen, von der man nicht einen Traum abläse noch die Interpretation einer äußeren Wirklichkeit. Eine Farbe, die durch die Art, wie sie ihre eigene Identität annimmt und 'da ist', die grundsätzlichen Werte unseres Verhältnisses zur Natur enthalten würde, zumindest diejenigen, die wir kennen oder fühlen." (Piero Dorazio, Stuttgart 22. Januar 1962, in: Piero Dorazio, Gemälde, Aquarelle, Gouachen, Druckgraphik, mit Ausst.Kat., Galerie Valentien, Stuttgart 2002, S. 11-12).

Werkverzeichnis

294 Crisafi

Provenienz

Galerie Springer, Berlin. Süddeutscher Privatbesitz

Ausstellung

Venedig 1958 (Biennale Internazionale d'Arte di Venezia), Kat. Nr. 79 (mit rückseitigen Aufklebern)
Düsseldorf 1961 (Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen), Piero Dorazio

Lot 112 Dα

Schätzpreis:
40.000 € - 50.000 €

Ergebnis:
61.880 €