Emil Nolde - Buschweg mit Südseeinsulanern

Emil Nolde - Buschweg mit Südseeinsulanern - image-1
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Emil Nolde

Buschweg mit Südseeinsulanern
1913/1914

Aquarell ca. 48,6 x 34,9 cm Unten rechts mit Bleistift signiert Nolde. - - Das Papier leicht gebräunt. Mit materialbedingten Schäden.

Von Paul Gauguin, dessen Werke von der vermeintlich unberührten Natur und den Einwohnern Tahitis Nolde erstmals in dem von Karl Ernst Osthaus gegründeten Folkwang Museum gesehen hatte, war er äußerst eingenommen. Ihm galt Gauguin neben Van Gogh, Manet, Cézanne und Signac als "Eisbrecher" im Kampf um die neue Malerei. Als das Ehepaar Nolde zur Expedition in die Südsee aufbrach, war dies jedoch keine Zivilisationsflucht, sondern eine zeitlich begrenzte Reise mit völkerkundlichen Interessen.
Die Vorbereitungen dazu verlangten längeren Vorlauf - noch heute erscheint sie einem äußerst gewagt bei dem Anblick einer Photographie von Ada Nolde im langen hellen Kleid, den Tropenhelm in den Händen, inmitten von unbekleideten, schwarzen Ureinwohnern im Busch (s. Ausst. Kat. Emil Nolde und die Südsee, Wien/München/Neukirchen 2001/2002, S. 350 mit Abb.). So wurde neben dem Erwerb einer tropentauglichen Reiseausstattung auch Reit- und Schießunterricht im Berliner Tiergarten genommen, was sich wohl als sinnvolle Maßnahme erwiesen haben dürfte. Denn die Berufsausübung war für Nolde nicht ungefährlich. Sein Freund Hans Fehr beschreibt die Unwissenheit Noldes "vom Aberglauben der Eingeborenen, wonach ein Mensch Gewalt über einen anderen hat, wenn er dessen Bild besitzt. [...] So wäre er beinahe ums Leben gekommen. Ein Wilder, den er eben gezeichnet hatte, wollte ihn töten. Ein anderer - offenbar in der gleichen Absicht - stand mit einem Küchenbeil in der Hand hinter ihm. Seine schnelle Umdrehung rettete ihn." (Hans Fehr, Emil Nolde. Ein Buch der Freundschaft, Köln 1957, S. 82) Und auch Nolde berichtet, sogar mit lakonischem Unterton: "Die Eingeborenen hier essen allerdings Menschenfleisch, sie schlagen sich gegenseitig zuweilen tot." (ebenda, S. 86) Aber die Schönheit der Wildnis, ihre Farbenpracht und die Ursprünglichkeit der Südsee-Insulaner räumen alle Bedenken aus. Seiner Begeisterung läßt Nolde freien Lauf:
"Die Eingeborenen sind ein herrliches Volk, soweit sie nicht schon durch die Berührung mit der Cultur der Weißen verdorben sind. Wir haben nur einige Male Gelegenheit gehabt ganz ursprüngliche Menschen in ihren Dörfern kennen zu lernen. Aber wie war das schön. Prächtige Gestalten mit mächtigem Haarwuchs u. Ohren u. Hals voll schwerem Schmuck.[...] Die rotbraunen Menschen, Männer u. Frauen fast ohne Bekleidung [...] geben auf dem weißen Sande zwischen den fruchttragenden Palmen oder Bananen oder den gelbroten Büschen um den Wohnstätten eine seltene starke Harmonie." (ebenda)
Nolde sieht die Ureinwohner dort als den sogenannten kultivierten Völkern weitaus überlegen an, und beklagt die weit voranschreitende Ausbeutung der landschaftlichen Ressourcen und die Domestizierung der Bevölkerung beispielsweise in Briefen an Fehr und Osthaus. Das gegenseitige Interesse von Maler und Modell, aber auch Wildheit und fremde Gefahr, sind den in der Südsee entstandenen, auf das Kopfformat reduzierten, Einzelporträts ebenso eigen, wie dagegen den in die Landschaft und den alltäglichen Ablauf eingebetteten Gruppenbildern Noldes Empfinden der Ursprünglichkeit und Harmonie anzumerken ist.
Sein Interesse und Beitrag zur Erforschung und Dokumentation dieser fremden Welten formulierte Nolde: "Meines war nicht 'wissenschaftlich' fotographisch - wie vordem schon so vieles - sondern 'künstlerisch'und lebendig Gesehenes. Und solche Urtypen, wie auf meinen Neuguinea-Eingeborenen-Zeichnungen gibt es heute wohl schon nicht mehr. In unserer wirtschaftlich tüchtigen, aber modern zivilisierenden Zeit vergeht alles Urwesentliche - nie wiederkehrend." (Emil Nolde, zit. nach Ausst. Kat. Emil Nolde und die Südsee, op.cit., S. 25)

Provenienz

Süddeutsche Privatsammlung

Lot 278 D

Schätzpreis:
60.000 € - 80.000 €

Ergebnis:
74.400 €