Bernard van Orley, zugeschrieben - KALVARIENBERG

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Bernard van Orley, zugeschrieben

KALVARIENBERG

Öl auf Holz. 140 x 130 cm.

Die Tafel stammt aus der Sammlung des Kölner Bürgers Johann Baptist Ciolina-Zanoli (1759-1837), dessen Unternehmen eine erste Adresse in der Herstellung von Kölnisch Wasser war. Seine umfangreiche Sammlung bestand in erster Linie aus Werken, die während der Säkularisation der Klosterkirchen zum Verkauf gestanden hatten. Nach seinem Tode gelangte ein Teil seiner Sammlung - darunter auch das vorliegende Gemälde - in den Besitz seiner Tocher Johanna Maria Franziska Karoline, die 1848 Max Klemens Anton Maria Clavé von Bouhaben heiratete. 1854 wurde die Tafel in einer Ausstellung im Kölner Gürzenich gezeigt, wo sie erstmals als ein Werk des Barend van Orley bezeichnet wurde.

So lückenlos die Provenienz seit dem 19. Jahrhundert ist, so wenig ist über den ursprünglichen Standort der Tafel bis zur Säkularisation bekannt. Zwei Altarflügel, die nachweislich aus der 1817 abgerissenen Kölner Stiftskirche St. Maria ad Gradus stammen und die sich heute im Kölner Priesterseminar befinden, fügen sich jedoch sowohl in ihrem Umriss und ihren Maßen (jeweils 143 x 57 cm) als auch ikonographisch und kompositorisch in so auffallender Weise zu der Tafel, dass die Zusammengehörigkeit der Altarflügel mit dem "Kalvarienberg" anzunehmen ist und hier als Vorschlag benannt werden soll (siehe Photomontage). Auf der Innenseite des linken Flügels ist die Kreuztragung mit Veronika dargestellt, die das Schweißtuch in ihren Händen hält. Segnend wendet sich Christus dem knieenden Stifter Arnold von Tongern zu, Kanoniker an St. Maria ad Gradus, Professor der Theologie und 1520-1525 Rektor der Universität zu Köln. Auf der Innenseite des rechten Flügels ist die Auferstehung Christi zu sehen, der Stifter im Vordergrund ist als Johannes Hilpoet von Neuss zu identifizieren, ebenfalls Kanoniker an St. Maria ad Gradus.

Die stilistischen Übereinstimmungen zwischen diesen Flügeln und dem "Kalvarienberg" sind bemerkenswert. Flügel und Mitteltafel zeichnen sich durch ihre übereinstimmende Detailfreudigkeit und großen Schmuckreichtum aus, wie auch eine Ähnlichkeit in der Darstellung der Stiftergewänder und der individualisierten und doch vergleichbaren Charakterisierung der Figuren zu beobachten ist. Ebenso auffallend sind die formalen Entsprechungen. Denn oberhalb der Vordergrunds, der als Bühne des irdischen Geschehens zu verstehen ist, öffnet sich im Hintergrund der lichte himmlische Bereich in einem Bogen, der sich in einem einheitlichen Schwung über beide Flügel und die Mitteltafel zieht. In den oberen Bereich ragen zudem auf allen drei Tafeln gleich gestaltete Bäume hinein. Die hier ebenfalls zu sehenden Wappen - im Kölner Ausstellungskatalog des Jahres 1995 als Wappen der Hamburger Patrizierfamilie Miles de Ridder benannt - sind kompositorisch dagegen nicht eingebunden und wohl als Hinzufügungen eines späteren Zeitpunkts anzusehen. Die zwei Altarflügel wurden bisher als "Südniederländisch um 1520" eingeschätzt (Gisbert Knopp, Wilfried Hansmann: Kunstwerke im Kölner Priesterseminar, Köln 1983, S. 7). Der Stil unserer Tafel wiederum ist vergleichbar mit den Werken Barend van Orleys aus den zehner Jahren des 16. Jahrhunderts, zum Beispiel mit dem Flügelaltar aus der Kirche du Sablon in Brüssel (Max J. Friedländer: Altniederländische Malerei. Bd. 8, Leiden 1924, S. 165, Nr. 82, Taf. LXI - LXVI).

Provenienz

Johann Baptist Ciolina-Zanoli (1759-1837), Köln. - Seine Tochter Johanna Maria Franziska Karoline, verh. Clavé von Bouhaben (1825-1893). - Auktion Heberle/Lempertz, Köln, 4.-5.6.1894, Lot 96. - Sammlung Nellesen, Aachen. - Versteigerung Ant. Creutzer, vorm. M. Lempertz, Aachen 9.-11.11.1927, Lot 73. - Kunsthandlung H. G. Klein, Köln. - Deutsche Privatsammlung.

Literaturhinweise

Verzeichnis der Ausstellung von Gemälden der Meister älterer Zeit aus den Sammlungen kölnischer Kunstfreunde (...), Köln 1840, S. 31, Nr. 280. - Catalog für die Ausstellung altdeutscher und altitalienischer Gemälde auf dem Kaufhause Gürzenich zu Köln, Köln 1854, S. 6, Nr. 60. - M. J. Friedländer, Versteigerung der Sammlung von Clavé-Bouhaben (...), in: Repertorium für Kunstwissenschaft 17, 1894, S. 329. - E.Trautscholdt, Zur Vor- und Nachgeschichte einer Kölner Gemäldeversteigerung 1894, in: Museion - Studien aus Kunst und Geschichte für Otto H. Förster, Köln 1960, S. 304. - Ausst. Kat: Lust und Verlust. Kölner Sammler zwischen Trikolore und Preussenadler, hg. v. Hiltrud Kier u. Frank Günter Zehnder, Köln 1995, S. 623-624, Kat. Nr. 279, Farbabb. CXXXVII (Ausstellung in der Josef-Haubrich-Kunsthalle, Köln). - Zu den Altarflügeln aus St. Maria ad Gradus siehe Paul Clemen (Hg.): Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln. Ergänzungsband. Die ehemaligen Kirchen, Klöster, Hospitäler und Schulbauten der Stadt Köln, Düsseldorf 1937, S. 22-23, Fig. 14.

Ausstellung

Köln 1840. - Köln 1854. - "Lust und Verlust", Köln 1995.

Lot 1328 Dα

Schätzpreis:
1.000.000 € - 1.400.000 €

Ergebnis:
720.000 €