Karl Friedrich Schinkel - GOTISCHE KIRCHE AUF EINEM FELSEN AM MEER

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Karl Friedrich Schinkel

GOTISCHE KIRCHE AUF EINEM FELSEN AM MEER

Öl auf Leinwand (doubliert). 75,5 x 100 cm.

Die 1815 entstandene Erstfassung - das Vorbild zu unserer neu entdeckten Zweitfassung - des Gemäldes "Gotische Kirche auf einem Felsen am Meer" von Karl Friedrich Schinkel (Öl auf Leinwand, 72 x 98 cm) wurde noch im selben Jahr vom Berliner Konsul Wagener erworben. Nachdem es 1861 an König Wilhelm I. von Preußen übergegangen war, bildet es seit 1876 bis heute einen der Höhepunkte der Berliner Nationalgalerie (Inv. Nr. W. S. 210).
Eine eigenhändige Zweitfassung aus dem Besitz des Kaufmanns Schiffert wurde 1832 in Königsberg ausgestellt. Sie wurde 2007 von Börsch-Supan in sein Schinkel-Werkverzeichnis zwar unter der Nr. 230 aufgenommen, jedoch als "verschollen" bezeichnet, da sein Verbleib unbekannt schien. Dagegen nahm Börsch-Supan zudem unter der folgenden Nr. 230a unser vorliegendes Gemälde in sein Werkverzeichnis auf, welches das Berliner Gemälde in Format und Komposition sehr detailliert wiederholt und nur in der Gestaltung des Himmels und dessen Farbigkeit - die Wolken sind anders verteilt, die Lichtregie ist weniger dramatisch - auffällig anders gestaltet ist. In der Vergangenheit ist die malerische Qualität unseres Gemäldes mehrfach konstatiert worden, doch Börsch-Supan stufte es als eine vermutlich von Gustav Adolf Boenisch (1802-1887) gemalte Kopie nach Schinkel ein, da 1833 wiederum in Königsberg eine Schinkel-Kopie von Boenisch ausgestellt war.
Doch zu den Verzeichnissen der Königsberger Kunstausstellungen 1832-1833 (von Meyer-Bremen erneut 2005 publiziert) sind zudem die zeitgenössischen Ausstellungsrezensionen von Ferdinand Raabe und August Hagen heranzuziehen. Denn aus deren Bildbeschreibungen geht unzweifelhaft hervor, dass 1832 in der Tat eine eigenhändige Zweitfassung Schinkels seines heute in Berlin aufbewahrten Gemäldes ausgestellt war. Die 1833 ausgestellte Boenisch-Kopie hingegen wiederholte eindeutig ein anderes Gemälde von Karl Friedrich Schinkel, und zwar den "Gotischen Dom am Wasser" aus dem Jahr 1813 (Börsch-Supan, op. cit., S. 349-352, Nr. 210 mit Abb.).
Deswegen stellte sich ein weiteres Mal die Frage nach der Eigenhändigkeit Schinkels an unserem Gemälde. Für die erneute Untersuchung wurde im März 2010 eine Infrarotaufnahme des Gemäldes gemacht, um die Unterzeichnung des Gemäldes zum Vorschein zu bringen. Börsch-Supan schreibt nach Prüfung dieser Aufnahme, dass er zu der Überzeugung gelangt ist, dass unser Gemälde ein "(...) eigenhändiges Werk Schinkels ist und nicht eine Kopie, wie ich bisher angenommen habe. Ein Kopist hätte eine Vorzeichnung gleichmäßig für die gesamte Fläche angefertigt. Wichtiger jedoch ist die Beobachtung, daß in der Ausführung Schinkel in Einzelheiten von der Vorzeichnung abgewichen ist. Ihr Stil ist mit gesicherten Zeichnungen Schinkels durchaus vereinbar. Bei den niedrigen Bäumen im Vordergrund hat der Maler nur gleichsam das Astgerippe angegeben und dieses dann mit Blättern "bekleidet". Ein Kopist hätte vor der Vorlage jede Einzelheit abgemalt."
So kann dem Gesamtwerk Karl Friedrich Schinkels ein weiteres Originalgemälde hinzugefügt werden. Der Gestaltung der Unter- bzw. Vorzeichnung folgend, die in den unterschiedlichen Partien des Gemäldes unterschiedlich differenziert angelegt ist, wird diese eigenhändige Zweitfassung Schinkels in unmittelbarer Anschauung seiner Erstfassung wohl noch in seinem Atelier um 1815 entstanden sein. Zudem ist das Gemälde mit größter Wahrscheinlichkeit mit dem Gemälde aus der Sammlung Schiffert zu identifizieren, das 1832 in Königsberg ausgestellt war, da auch die Maßangaben übereinstimmen.
Wir danken Professor Helmut Börsch-Supan für seine äußerst hilfreiche Unterstützung bei der Untersuchung des Gemäldes.

Zertifikat

Helmut Börsch-Supan, Brief vom 13.3.2010.

Provenienz

Wahrscheinlich Sammlung Schiffert 1832. - Auktion Sotheby´s, London, 12.10.1977, Nr. 105 (als eigenhändiges Werk Schinkels). - Auktion Weinmüller, München, 8.-10.3.1978, Nr. 1327 (als Kopie von Ahlborn). - 766. Lempertz-Auktion, Köln, 5.12.1998, Lot 1599 (als Schinkel-Werkstatt). - Deutscher Privatbesitz.

Literaturhinweise

Zur Erstfassung des Gemäldes siehe Helmut Börsch-Supan: Karl Friedrich Schinkel. Bild-Erfindungen, München/Berlin 2007, S. 381-382, Nr. 229 und S. 139, Farbtafel XIXa.
Zur vorliegenden Zweitfassung siehe Helmut Börsch-Supan, op. cit. , S. 382, Nr. 230 und Nr. 230a (mit Abb.).
Zu den Ausstellungen in Königsberg 1832 und 1833 siehe: Verzeichnis der Kunst-Ausstellung in Königsberg im Februar und März 1832, Nr. 11 (Schinkel, Slg. Schiffert). - August Hagen: Ueber einige Gemälde der Kunstausstellung in Königsberg im Jahre 1832, Königsberg 1832, S. 23. - Ferdinand Raabe: Die Gemäldeausstellung in Königsberg, 1832, S. 9-11. - Verzeichnis der dritten Kunst- und Gewerbe-Ausstellung in Königsberg 1833, Nr. 134 (Boenisch). - Ferdinand Raabe: Die Dritte Kunst-und Gewerbe-Ausstellung in Königsberg, 1833, S. 15-16. - August Hagen: Bemerkungen über die dritte Kunstausstellung in Königsberg, Königsberg 1833, S. 29. - Rudolf Meyer-Bremen (Hg.): Die Ausstellungskataloge des Königsberger Kunstvereins im 19. Jahrhundert, Köln/Weimar/Wien 2005, S. 21 (Schinkel, Slg. Schiffert) u. 29 (Boenisch).

Ausstellung

Greifswald, Pommersches Landesmuseum, Leihgabe 2000-2010 (als zeitgenössische Kopie nach Schinkel). - "Was ist deutsch? Fragen zum Selbstverständnis einer grübelnden Nation". Germanisches Nationalmuseum Nürnberg 2006.

Lot 1879 Dα

Schätzpreis:
150.000 € - 180.000 €

Ergebnis:
456.000 €