Auktion 1043, Moderne Kunst 28. November 2014, 28.11.2014, 18:00, Köln Lot 206

Otto Modersohn, Melkersteg Fischerhude, vor der Wassermühle an der Wümmeschleuse

Otto Modersohn, Melkersteg Fischerhude, vor der Wassermühle an der Wümmeschleuse, 1910, Auktion 1043 Moderne Kunst 28. November 2014, Lot 206

Otto Modersohn

Soest 1865 - 1943 Rotenburg/Wümme

Melkersteg Fischerhude, vor der Wassermühle an der Wümmeschleuse

Um 1910

Öl auf Leinwand. 73,3 x 92,8 cm. Gerahmt. Unten links schwarzblau signiert 'O Modersohn.' - Farbfrischer Zustand. Durch erneute leicht versetzte Spannung auf den Keilrahmen wenige kleine Farbausbrüche im Bereich der Kanten und Ränder. Schmaler retuschierter Streifen am rechten Bildrand. Die linke untere Ecke minimal ausgerissen.

Dem Einlieferer gegenüber von Rainer Noeres, Modersohn-Museum Fischerhude, bestätigt mit Schreiben vom 18. Februar 2014.

Wir danken Rainer Noeres für freundliche ergänzende Hinweise.

Provenienz

Sammlung Carl Specht, Bremerhaven, seitdem in Familienbesitz Süddeutschland

Dramatisch hoch angesetzt ist der Horizont der Landschaft bei Fischerhude, eine Landschaft, die Otto Modersohn vielfach in seinem Leben gemalt hat. Dargestellt ist der Melkersteg, im Hintergrund Wassermühle und Schleuse an der Wümme. Der Steg verläuft in steiler Diagonale und beschleunigt gleichsam die Perspektive, in der der breit angelegte Landschaftsausschnitt verkürzt ist. So ist der Bildeindruck gleichermaßen ruhig wie dynamisch. Als Repoussoir bietet sich die zwei Milcheimer balancierende Melkerin an, deren Figur sich nicht nur in der Wasserfläche spiegelt, sondern auch in der farblichen Gestaltung eine Verbindung zur roten Mühle schafft. Idyllisch spiegeln sich auch einzelne kleine Wölkchen auf der das makellose Blau des Himmels intensivierenden Wasseroberfläche. Der fedrig parallel gesetzte Pinselduktus ist an der Malerei der französischen Avantgarde geschult. Interessanterweise folgt er den landschaftlichen Gegebenheiten. So ist das Gewässer wie in den Bildgrund zur Mühle fließend in vertikalen und die sich ausbreitende Landschaft in horizontalen Strichlagen gemalt. Das Kolorit ist mit den vorherrschenden Grundfarben ungewöhnlich fröhlich für die vornehmlich gedeckte Palette des Worpsweder Malers. In seinem Tagebuch bemerkt er die "herrliche Farbgebung Van Goghs" und schreibt am 13. März 1910:

"Dem Großen und Einfachen muß sich das Reiche, Bewegte gesellen. Überall muß Leben und Bewegung herrschen. (...) Immer muß man das Ganze im Auge haben (...) es muß ein Stück von einem geworden sein." (Otto Modersohn, zit. nach: Ausst. Kat. Otto Modersohn. Fischerhude 1908-1943, Otto Modersohn-Museum Fischerhude 1992/1993, S. 64)

Das Niedersächsische Landesmuseum Hannover besitzt eine sehr ähnliche, kleinere und etwas skizzenhafter gehaltene Komposition auf Karton "Melker auf dem Steg" (Inv.Nr. KM 65/1953).

Unsere Webseite verwendet Cookies. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. OK