Erasmus Quellinus II - Maria mit Kind und dem hl. Johannes

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Erasmus Quellinus II

Maria mit Kind und dem hl. Johannes

Öl auf Leinwand. 106 x 86 cm.

Erasmus Quellinus der Jüngere zählte zu den zentralen Künstlern des Rubens-Kreises, der seit den 1630er Jahren in der Werkstatt des Meisters arbeitete. Hans Vlieghe hat insbesondere den herausragenden Beitrag von Quellinus für Rubens´ Achilles-Zyklus (um 1630) sowie für die allegorischen und mythologischen Darstellungen der Pompa Introitus Ferdinandi hervorgehoben. Seine Stellung war derart, dass er nach Rubens´ Tod als einziger für würdig erachtet wurde, die Nachfolge des Meisters anzutreten, wie etwa ein Brief des Kardinal-Infanten Ferdinand von Habsburg an seinen Bruder, König Philip IV. von Spanien, zeigt. Quellinus´ Kunst blieb von Rubens nicht unbeeinflusst, er entwickelte jedoch einen eigenständigen, bewusst klassizistischen Stil. Es ist angemerkt worden, dass dies dem Einfluss seines Bruders geschuldet ist, des Bildhauers Artus Quellinus, der 1640 nach langem Aufenthalt aus Rom nach Antwerpen zurückkehrte.
Die klassizistischen Tendenzen verstärken sich in Quellinus´ Spätwerk, sie zeigen sich jedoch auch bereits in diesem Gemälde, so etwa in den Posen der Figuren, die hinterfangen werden von den Architekturelementen und Weinblättern im Hintergrund. Der Jesusknabe wendet seinen Kopf seiner Mutter zu, während der hl. Johannes ihn umarmt. Der Künstler stellt dabei nicht nur die Zuneigung dar, die Jesus und den hl. Johannes miteinander verbindet, sondern auch die Trauer Mariens, mit ihrem gesenkten Antlitz und der in sich versunkenen Haltung, in der sich das Wissen um das Schicksal ihres Sohnes zeigt.
Dieses neu entdeckte Gemälde stellt eines von drei Versionen dieser Komposition dar und bedeutet eine wichtige Ergänzung zum Œuvre des Künstlers. Die beiden anderen Versionen, mit Abweichungen, befinden sich in der Kathedrale St. Michael und St. Gudula in Brüssel und im Lazaro Galdiano Museum, Madrid. Die Eigenhändigkeit des Gemäldes ist unabhängig voneinander von Jahel Sanzsalazar und Jean Pierre de Bruyn ('An important contribution to the knowledge of the 'early' work of Erasmus II Quellinus“; schriftlich am 29.3.2020) bestätigt worden.

Provenienz

Inventar Erasmus Quellinus (“Een Ons Lieve Vrow, een Jesus ende Sint Jan, Erasmus Quellinus”), Antwerpen, 1670. – Wohl Slg. Lambert Jan Nieuwenhuys (1777-1862), Brüssel. – Seine Versteigerung, Paris, 7.11.1808, Lot 27 (“Erasme Quellyn. Jésus assis sur les genoux de sa mère, et recevant d'un air de sa satisfaction les caresses du jeune St Jean”). - Erworben von Dargon. – Privatsammlung, Vereinigtes Königreich. – Von dieser erworben vom derzeitigen Eigentümer.

Literaturhinweise

Jahel Sanzsalazar: Quellinus, Rubens´ “First Lieutenant”, in: Tendencias del mercado del Arte, Januar 2020, S. 72-75, Abb. 1.

Lot 2033 Dα

Schätzpreis:
40.000 € - 50.000 €

Ergebnis:
52.500 €