Otto Modersohn - In Worpswede

Otto Modersohn - In Worpswede - image-1
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Otto Modersohn

In Worpswede
1903

Öl auf Malpappe, auf Hartfaserplatte aufgezogen 57,2 x 40,5 cm Gerahmt. Unten rechts rotbraun monogrammiert 'O M', unten links braun datiert 'IX. 03.'. - Der Unterrand und die Ecken etwas bestoßen. Einige wenige winzige Farbabplatzungen und kleine Retuschen.

Der Maler gibt in dieser Worpsweder Impression einen stimmungshaften wie suggestiven Motiv-Ausschnitt: es öffnet sich ein unbefestigter Dorfpfad in leicht hügeligem Gelände mit altem Baumbestand zu etwas entfernter liegenden Gehöften - und auf dem Weg, seitlich, schaut ihm eine Kleine in rotem Tüchlein aufmerksam entgegen. Im geöffneten Tor des breiten Giebelhauses in der Bildtiefe erkennt man eine bäuerliche Gestalt, während davor eine Frau in dunkler Gewandung sich nach links über eine nur angedeutete Form beugt, vielleicht über den zugehörigen Kinderwagen. Modersohn formuliert keine Details aus, alles ist summarisch und doch schlicht und wirkungsvoll erzählt. Alles scheint, auch heute noch, beseelt von einer Gefühlsbindung an diesen Ort, von einer persönlichen Schau auf Gegebenheiten, auf ein Stück "Heimat" und damit auf einen ideellen Wert von ursprünglicher, ländlicher Geborgenheit. Die vereinfachte Perspektive, die großen Linien der Komposition wie die verteilten Farbsetzungen und Helligkeitswerte konstituieren das Motiv. Durch auffällige Kappungen und Zusammenziehungen von Formen und Flächen wie durch gelöste Strichlagen bekennt sich Modersohn zur Farbe und zu ihrer individualisierten Erfassung. Modersohn hatte die Zeit zuvor auf Amrum mit Paula Modersohn und der Tochter Elsbeth aus seiner ersten Ehe verbracht. Zur Entstehungszeit dieses Gemäldes, im September 1903, hielt Modersohn in seinem Tagebuch fest: "Dieser Sommer und besonders seit Amrum (5. August) hat mir die wichtigsten Erkenntnisse gebracht, seit ich male... mein ganzer Standpunkt ist ein anderer geworden. Mit der Natur verbindet sich Persönlichkeit, rechtes Naturgefühl ist auch ein persönliches. Das sind die wesentlichsten Seiten guter, großer Malerei, Sie entspringen alle aus dem rechten Verhältnis zur Natur." (Zit. nach: Ausst. Kat. Otto Modersohn, Otto Modersohn Museum, Bremen 1993, S. 299).

Zertifikat

Wir danken Rainer Noeres, Otto-Modersohn-Museum, Fischerhude, für bestätigende und ergänzende Informationen.

Provenienz

Privatbesitz Niedersachsen; seitdem in Familienbesitz Nordrhein-Westfalen

Ausstellung

Worpswede/Fischerhude/Bremerhaven 1989 (Kunsthalle/Otto-Modersohn-Museum/Kunsthalle), Otto Modersohn in Worpswede 1890-1907

Lot 209 Dα

Schätzpreis:
20.000 € - 30.000 €

Ergebnis:
27.500 €