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Lot 31 D

Ewald Mataré - Stehende Kuh (Windkuh)

Auktion 1187 - Übersicht Köln
03.12.2021, 18:00 - Evening Sale - Moderne und Zeitgenössische Kunst
Schätzpreis: 50.000 € - 70.000 €
Ergebnis: 91.250 € (inkl. Aufgeld)

Ewald Mataré

Stehende Kuh (Windkuh)
1923

Bronze Höhe 18,7 cm; Breite 33,2 cm; Tiefe 7,3 cm Unbezeichnet. Früher Lebzeitguss. Insgesamt sind 20 Güsse bekannt. - Mit dunkelbrauner Patina, stellenweise aufgehellt. Kleiner Materialausbruch am Steiß, alt, vermutlich vom Künstler, ergänzt.

Die Bronzeplastik „Stehende Kuh“, besonders unter dem Titel „Windkuh“ bekannt, ist ein ikonisches Werk Ewald Matarés aus seiner frühen Schaffenszeit. Andere Exemplare der Gussauflage befinden sich u.a. im Museum of Modern Art in New York, im Busch-Reisinger Museum/Harvard Arts Museums, Cambridge und im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum, Schloss Gottdorf.
Mataré kam von der Malerei über den Holzschnitt zur Plastik - die Gattung, in der er seine Berufung fand und in der er stilistisch gänzlich neue Wege beschritt.
In kritischer Auseinandersetzung mit Adolf von Hildebrands Abhandlung „Problem der Form in der bildenden Kunst“ entwickelte er in den frühen 1920er Jahren eine Arbeitsweise, die nicht wie von Hildebrand gefordert von der Anschauung, sondern von der Haptik ausging. „Ohne es zu wissen, tat ich einen Gegensatz zu seinen ästhetischen Betrachtungen über das ‚Anschauen' des Gegenstandes. Ich proklamierte für mich und auch außerhalb das Betasten, das Fühlen als das Primärste bei der Gestaltung und mit dieser Erkenntnis, die ich aus mir selbst entwickelte, stand und stehe ich auch jetzt noch allein da“, schrieb Mataré rückblickend (zit. nach: Sabine Maja Schilling, Ewald Mataré. Das plastische Werk. Werkverzeichnis, Köln 1987, S. 27).
Die "Windkuh" ist die früheste seiner archaischen Arbeiten. Sie entstand als Holzskulptur in List auf Sylt im Sommer 1923. Ausgehend von den natürlichen Gegebenheiten des schmalen Stück Nußbaumholzes, das ihm zur Verfügung stand, fand der Künstler eine in der Profilansicht monumental anmutende Form bei gleichzeitiger reliefartig flacher Ausführung. Der vermeintliche Makel des Materials führt zu einem künstlerisch vollkommenen Ergebnis. Mataré schuf das von einer stark haptischen Auffassung bestimmte Sinnbild einer Kuh, deren organische Form er abstrahierte und in eine Gestalt von schwebender Eleganz umsetzte. Die geschmeidige Körperform steht in spannungsvollem Gegensatz zu dem rauen Charme ihrer lebendigen Patina, die diesen schönen frühen Guss kennzeichnet.

Werkverzeichnis

Schilling 15a

Zertifikat

Wir danken Guido de Werd, Köln, für die Authentizität bestätigende und ergänzende Informationen.

Provenienz

Familienbesitz Polen (in dritter Generation)

Literaturhinweise

Ernst Kallai, Der Plastiker Mataré, in: Das Kunstblatt, 11. Jg., 1927, S. 68 mit Abb.; Albert Schulze-Vellinghausen, Ewald Mataré, in: Werk, 34. Jg., Oktober 1947, Heft 10, S. 341 mit Abb; Hanns Theodor Flemming, Ewald Mataré, München 1955, S. 23; Nr. 6 mit Abb.; Toni Feldenkirchen, Zeichen von der Erde und den Himmeln, in: Weltkunst, 47. Jg., 1977, Heft 5, S. 405, mit Abb.; Gerhard Wietek (Hg.), Der Kreuzstall. Ein neues Museum für die Kunst des 20. Jhs., Landesmuseum Schloß Gottdorf in Schleswig, Neumünster 1985, Nr. 23 mit Abb.

Ausstellung

Berlin 1924 (Landesausstellungsgebäude), Grosse Berliner Kunstausstellung, Kat. Nr. 952, Tafel 59 ("Kuh"); Berlin 1929 (Galerie Ferdinand Möller), Ewald Mataré. Plastiken, Holzschnitte, Aquarelle, Zeichnungen 1920-1929, Kat. Nr. 5; Zürich 1931 (Kunsthaus), Internationale Ausstellung Plastik. Skulpturen in Zürich, S. 28, Kat. Nr. 125; Stockholm 1954 (Svensk-Franska Konstgalleriet), Ewald Mataré. Skulpturer Träsnitt 1921-1953, Nr. 6; Düsseldorf 1965 (Galerie Vömel), Werke deutscher Bildhauer, mit Abb.; Trier 1966 (Städtisches Museum), Mataré, Kat. Nr. 3; Kaiserslautern/Heilbronn 1981 (Pfalzgalerie/Städtische Museen), Ewald Mataré, Kat. Nr. 3; Düsseldorf 2005 (Akademie-Galerie), Ewald Mataré - Eine Werkübersicht, Kat. Nr. 2 mit Abb.; Kleve 2010 (Museum Kurhaus Kleve), Eine rheinische Privatsammlung, Kat. Nr. 1, ganzseitige Farbabb. S. 21