Emil Nolde - Dschunken im chinesischen Meer

Emil Nolde - Dschunken im chinesischen Meer - image-1
Emil Nolde - Dschunken im chinesischen Meer - image-1

Emil Nolde

Dschunken im chinesischen Meer
1913

Aquarell und Tuschpinsel auf Japanbütten. 21 x 30 cm. Unter Glas gerahmt.. Unten rechts mit Bleistift signiert. - Auf Japapnpapier aufgelegt (22,7 x 31,8 cm). Die rechten Ecken mit schwachen Knickfalten, sonst in guter Erhaltung.

Im fließenden Miteinander von komplementärem Blaugrün und Orangegelb nähert sich Emil Nolde mit reduzierter aber schwungvoller Tuschpinseltechnik traditioneller chinesischer Malerei und anverwandelt sich kongenial dem Ort des Geschehens.
Als Maler nimmt er ab 1913 an der Medizinisch-Demographischen Expedition nach Deutsch-Neuguinea teil – nicht ohne zuvor im Berliner Tiergarten ein prophylaktisch lebenserhaltendes Schieß- und Reittraining absolviert zu haben. Die Expeditionsroute in die Südsee führt u.a. über China. Im November 1913 fährt Nolde von Hankau auf dem Jangtsekiang flussabwärts nach Shanghai. „[…] eine wunderbare Fahrt – begegnend oder abwärtssegelnd unzählige Dschunken. Dschunken mit weißen oder farbigen hohen, herrlichen Segeln. Dies alles war meine Lust, mein Element, dies Leben und Treiben auf dem Wasser mit den langen Spiegelungen der Segel […].“ (Emil Nolde, Welt und Heimat, Köln 1965, S. 47).
In der Dokumentation des Erfahrenen gilt es für den Maler, das Charakteristische in schnellem Strich festzuhalten, um den Daheimgebliebenen einen Einblick in fremde Welten zu ermöglichen. Dort auf dem Jangtse und dem chinesischen Meer entstehen Dschunken-Aquarelle auf Papieren, die er zuvor in Japan erworben hat. Ähnlich chinesischen Schriftzeichen hieroglyphisch verkürzt schaukeln hier die Umrisse chinesischer Dschunken auf gelbem Gewässer und visualisieren in ihrer rhythmischen Reihung gleichermaßen hektische Betriebsamkeit wie ostasiatisch kontemplative Gelassenheit.

Zertifikat

Mit einer Foto-Expertise von Manfred Reuther, Klockries, vom 26. Februar 2022. Die Arbeit ist in seinem Archiv unter der "Nolde A - 231/2022" verzeichnet.

Provenienz

Privatbesitz Baden-Württemberg

Lot 3 D

Schätzpreis:
60.000 € - 80.000 €

Ergebnis:
75.600 €