Hermann Max Pechstein - Ernte

Hermann Max Pechstein - Ernte - image-1
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Hermann Max Pechstein

Ernte
Um 1922

Öl auf Leinwand 80,7 x 99,3 cm Unten rechts signiert

Zertifikat

Mit einer Fotoexpertise von Max K. Pechstein, Hamburg, vom Juni 2002

Provenienz

Gertrude Fleischner, Mannheim; Privatsammlung Brasilien§
"...neue Landschaft, neue Menschen, ich habe mich hineingefressen...Dazu habe ich das Ackerland hinten, also ein bedeutend breiteres Arbeitsfeld als in Nidden..." (H.M. Pechstein, zit. nach Magdalena Moeller (Hg.), Max Pechstein, Sein malerisches Werk, München 1997, S. 21). 1921 findet Pechstein in Leba in Hinterpommern eine Landschaft, die ihn als Motiv ebenso reizt wie das aufgrund von Grenzverschiebungen nach dem I. Weltkrieg an Litauen gefallene Nidden an der Kurischen Nehrung.
"Im April 1921 machte ich mich allein, nur mit dem nötigsten Material im Rucksack , auf die Suche. [...] Zu Fuß streifte ich die Ostseeküste, nach Westen marschierend, ab. Ich entschloß mich zuletzt, in Leba mein Standquartier zu errichten. [...] Ich lernte diese Küste nicht nur schätzen, sondern auch lieben. Sei es nun, daß ich auf meinen Streifzügen weiter ins Land hinein, ins 'blaue Ländchen' kam, in herrliche Wälder, zwischen denen verborgene Seen aufblitzten und sprudelnde Flüsse und Bäche sich durch die Landschaft schlängelten. Außerdem bargen die Wasser hier herrliche Fische, und es gab für mich nichts Besseres [...], als Ihnen nachzustellen und sie sportgerecht zu erbeuten. [...] Dabei ruhte der Stift nicht. Alles, was ich sah und um mich erlebte, wurde unerbittlich festgehalten und wie die erbeuteten Forellen, Lachse, Hechte und Aale nach Hause getragen." (H.M. Pechstein, Erinnerungen, zit. nach Jürgen Schilling, Max Pechstein, Unna 1989, S. 139)
So entstehen in den Sommermonaten zu Beginn der zwanziger Jahre Landschaftsbilder, die im Berliner Atelier während des Winters fertiggestellt werden - ein "Kornfeld" avisiert er seinem Mäzen Dr. Minnich in Montreux (ebenda). Diese Bilder sind einander hinsichtlich des Formats, der Aufteilung der einzelnen Bildsegmente, des Stils und des ländlichen Motivs ähnlich. (vgl. z.B. Schilling 1989, op.cit., Abb. S. 147; Moeller 1997, op.cit., Abb. 119, 120, 127, 129). In breiten Bahnen sind holzschnittartig die einzelnen, beinahe unvermischten Farbfelder zu einer weiten Landschaft mit hohem Horizont gefügt.
Auffällig bei dem vorliegenden Bild "Ernte" ist jedoch seine Farbgebung. So sind die grünen Wiesen und Felder wie von ersten Sonnenstrahlen stellenweise in kräftiges Rosarot und Lachsorange getaucht; der Himmel türkisgrün mit einzelnen giftiggrünen und blauen Wolken ist ebensowenig gegenstandsbezogen. Die Lokalfarben sind zugunsten eines expressiven Natureindrucks gesteigert, der Pechsteins individuelles Empfinden der Landschaft wiederspiegelt.

Lot 892 Rα

Schätzpreis:
160.000 € - 180.000 €

Ergebnis:
190.400 €