Emil Nolde - Marschlandschaft

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Emil Nolde

Marschlandschaft

Aquarell 33,4/34,1 x 47,7 cm signiert

Ausdrucksvoll sind Rot und Grün komplimentär gegen Gelb und Violett gesetzt, dunkelblaue Bildelemente verschmelzen mit den schwarzen bis blauschwarzen Konturen der Wassergräben wie von selbst zu einer leuchtenden Marschlandschaft, die auch weiße Akzente in den geduckten Häusern am Horizont aufweist.
"Wer die Landschaft um Utenwarf und Seebüll kennt, der findet sie in Noldes Bildern wieder. Seine Farben gibt es hier wirklich, das kräftige Grün der weiten Wiesenflächen, das Gelb der Rapsfelder, das tiefe Blau der Seen, Flüsse und Sielzüge. Sie wechseln im Licht des Himmels, der besonders im Herbst, am Morgen und Abend, mit den langsam wandernden Wolken in einer Fülle von Farben leuchtet, deren Skala von blassem Grün bis Dunkel-Violett und Blau, von Gelb, Braun, Orange bis zu glühendem Rot reicht; das Licht verwandelt alles in ein unwirkliches Farbenmeer. [...] Zwischen Utenwarf und Seebüll fand Nolde die Landschaft, welche die Erfüllung einer Sehnsucht versprach, die zu den Grunderlebnissen des deutschen Expressionismus gehört, das Sehnen nach der Verschmelzung von Ich und Kosmos, das Streben nach den 'Urzuständen' des menschlichen Lebens, als Außen und Innen noch nicht getrennt waren." (Martin Urban, Emil Nolde Landschaften, Aquarelle und Zeichnungen, Köln 1969, S. 29).
In der Bildbetrachtung kann man heute noch nachspüren, welch ein hohes Maß an Können und erfahrener Sicherheit im Umgang mit dem Medium notwendig war, um zu dem Ausdrucksgehalt zu kommen, der heute als klassisch bezeichnet werden darf. Max Sauerlandt charakterisierte Noldes Kunst 1920 unter Hinweis auf das Paradox schöpferischen Arbeitens: "Nicht der Wille bringt das Kunstwerk hervor, es ist Offenbarung, wie die Natur selbst sich nur offenbaren kann, es quillt - von außen her unbedingt - nur aus den in der eigenen Natur des Künstlers gelegenen Bedingungen. ' Kunst ist nicht Arbeit, sie entsteht, wie die Gewächse der Erde, mühelos. Aber grade das können die Menschen nicht verstehen - sie verstehen nur, was Arbeit heißt, und ich will keine Arbeit in meiner Kunst haben.' Wie? sagt nicht Nietzsche, der ebenso hart wie Nolde, und ebenso unerbittlich um seine Form gerungen hat, dasselbe mit seinen Worten? 'Das Gute ist leicht, alles Göttliche läuft auf zarten Füßen.'" (Max Sauerlandt, Emil Nolde, München 1921, S. 26)

Provenienz

Vom Vorbesitzer direkt beim Künstler erworben (April 1958); seitdem in Familienbesitz, ehemals rheinische Privatsammlung

Lot 903 Dα

Schätzpreis:
60.000 € - 80.000 €

Ergebnis:
226.100 €