Otto Mueller - Zwei Akte im Wald (Zwei nackte Mädchen in einer Schneise)

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Otto Mueller

Zwei Akte im Wald (Zwei nackte Mädchen in einer Schneise)
Um 1925

Aquarell und Farbkreidezeichnung 67 x 51 cm Unten rechts signiert Otto Mueller

Der (vornehmlich) weibliche Akt im Wald ist ein Topos im Werk von Otto Mueller - ein Bildthema, das wie ein Markenzeichen für seinen Namen steht.
Die werkbestimmende, bukolisch anmutende Thematik des natürlich Nackten in der Natur - einzige zivilisatorischen Zeichen sind hier der mondäne 1920er Jahre-Bubikopf und die im Werk Muellers nicht eben häufig zu verzeichnenden "Dessous" - resultiert zum einen aus der Freundschaft mit den Künstlern der "Brücke" und den gemeinsam unternommenen Reisen und Ausflügen, u.a. an die Moritzburger Seen. Zum anderen ist sie kunsthistorisch vor dem Hintergrund des Werks etwa von Paul Cézanne und seinem großen Bildthema der "Badenden" oder den Vorstellungen von einem irdischen Paradies beispielsweise Hans von Marées' oder Paul Gauguins zu sehen.
Die Variation des Motivs resultiert aus den verschieden Ansichten, hier der ins verlorene Dreiviertelprofil gedrehte Rückenakt und die leicht aus dem en-face gedrehte Frontalansicht, wobei die Köpfe jeweils gegengleich dem Betrachter zu- und abgewandt sind und eine doppelte Torsion der Körper impliziert; das Wäschestück ist möglicherweise als weitere Variation in Be- und Entkleidung deutbar. Der gelängte Umriß des manierierten Serpentinata-Körperschemas ist eine Reminiszenz an die Plastik Wilhelm Lehmbrucks - von Julius Meier Graefe einmal als "grecohafte Askese" bezeichnet - und zeigt Muellers Beschäftigung mit den Werken des jung verstorbenen Bildhauers. In Farb- und Formgestaltung korrespondieren Inkarnat und schlanke Gestalt der jugendlichen Damen mit den biegsamen dünnen Baumstämmen vor frühlingshaft frischem lichten Grün des Waldes. Die Zeichnung mit blauem Kreidestift akzentuiert mit sparsamen Mitteln die Szenerie.
Anders als seine Zeitgenossen beschränkt sich Otto Mueller in seiner Themenwahl. Während Kirchner oder Nolde Straßenbilder malen, Cafehausszenarien und Kokotten, gibt er einen gleichsam introspektiven Blick auf eine arkadische Ideenwelt frei.
Die immergleiche Thematik und die Wahl der bildnerischen Mittel bei Einsatz möglichst einfacher Materialien - "ihre offensichtliche Reduktion nährt den Gedanken, dass es Muellers Ziel war, 'Urbilder' zu schaffen." (Mario Andreas von Lüttichau, Von Liebespaaren, Doppelporträts und anderen Figurenbildern - Otto Muellers Bilderwelt, in: Otto Mueller. Eine Retrospektive, Ausst. Kat. München 2003 (Hypo-Kulturstiftung), S. 67).

Werkverzeichnis

von Lüttichau 761

Provenienz

Gallery Parke-Bernet, New York (1972); Gallery Serge Sabarsky, New York; Gallery Spencer A. Samuels & Company, New York; Galerie Aenne Abels, Köln

Ausstellung

New York 1972 (Gallery Parke-Bernet), Kat. Nr. 65 mit Abb.; New York 1972 (Gallery Serge Sabarsky in Zusammenarbeit mit Aenne Abels, Köln), Expressionisten. Bedeutende Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Skulpturen 17 Deutscher Expressionisten, Kat. Nr. 47 mit Abb.

Lot 302 Dα

Schätzpreis:
50.000 € - 60.000 €

Ergebnis:
88.060 €