Oskar Moll - Komposition mit Zimmerlinde und Rautenmuster

Oskar Moll - Komposition mit Zimmerlinde und Rautenmuster - image-1
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Oskar Moll

Komposition mit Zimmerlinde und Rautenmuster
Um 1931

Öl auf Leinwand 100,3 x 81,5 cm

Oskar Molls Bild „Komposition mit Zimmerlinde und Rautenmuster“ entsteht gegen Ende seiner Zeit als Lehrer und späterer Direktor an der Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau (1918-1932). In dieser Zeit reiste er immer wieder mit seiner Frau Marg nach Paris, wo das Ehepaar bereits 1907 zusammen mit Hans Purrmann und anderen die „Académie Matisse“ gegründet hatten. Marg wird 1928 Schülerin von Fernand Léger und Mitglied der „Groupe 40“ um Robert Delaunay und Albert Gleizes; von ihnen und von weiteren Malern wie etwa Pablo Picasso und Georges Braque erwerben die Molls regelmäßig Bilder.

Die Einflüsse dieser Künstler führen bei Moll zu einer Weiterentwicklung seiner noch von seinem Lehrer Henri Matisse geprägten Malweise hin zu einer spätkubistischen Formensprache: „Jetzt setzt auch für Oskar Moll eine ernsthafte Beschäftigung mit dem Kubismus ein, wobei seine Einsichten in die Funktion der Farbe, die er aufgrund des Eigenwertes als weitgehend unabhängig begreift, mit einfließen. Moll malt zahlreiche Stilleben, die er vom Verhältnis zwischen dekorativen und konstruktiven, ordnungsschaffenden und empfindungstragenden, gegenständlichen und abstrahierten Elementen komponiert.“ (Annette Gautherie-Kampka, Oskar Moll im Bannkreis von Paris, in: Ausst. Kat. Landesmuseum Mainz, Oskar Moll. Gemälde und Aquarelle, Köln 1997, S. 48)

Im Bildzentrum der in abgestuften Blau-, Rot-, Braun- und Grüntönen gehaltenen Komposition wird eine Tonvase erkennbar, zu denen die unterschiedlich großen grünen Blätter einer Zimmerlinde in einer ovalen Drehbewegung in Beziehung gesetzt sind. Dieses figurative Zentrum wird von unterschiedlich großen geometrischen Farbflächen eingefasst bzw. hinterfangen, von denen nur noch das schräg verlaufende Rautenmuster unten rechts und die große hellblaue Fläche oben links mit einem angedeuteten schmiedeeisernen Gitter weitere Gegenstandsbezüge aufweisen. Im Vergleich zu anderen Kompositionen und Stilleben Molls aus dieser Zeit, die in ihrer collageartigen, kubistischen Mehransichtigkeit expressiv gesteigert sind (vgl. Ausst. Kat. Landesmuseum Mainz, Kat. Nrn. 52, 54, 55), weist die eindrucksvolle „Komposition mit Zimmerlinde und Rautenmuster“ mit ihren großflächigen Farbfeldern einen stabilen, beruhigten Bildaufbau auf.

Lot 26 der Abendauktion am 3. Dez. 2010, 19 Uhr

Werkverzeichnis

303 Salzmann

Zertifikat

Das Gemälde ist in dem neuen Werkverzeichnis (Oskar Moll - Catalogue raisonné) aufgenommen, das von Gerhard Leistner, Regensburg, wissenschaftlich bearbeitet und ergänzt wird.

Provenienz

Ehemals rheinische Privatsammlung (bis 1982); Privatbesitz Rheinland

Ausstellung

Köln 1982 (Kunsthaus Lempertz), 589. Math. Lempertz'sche Kunstversteigerung, Kunst des XX. Jahrhunderts, 5. Juni 1982, Los 454 mit Farbabb. Tafel 9

Lot 26 D

Schätzpreis:
35.000 € - 40.000 €

Ergebnis:
38.400 €