Auktion 1004, Moderne Kunst, 30.11.2012, 00:00, Lot 218

Gerhard Marcks, Kleine Schwestern

Gerhard Marcks, Kleine Schwestern, 1934, Auktion 1004 Moderne Kunst, Lot 218

Bronzeplastik. Höhe 69,5 cm. Auf der Plinthe hinten rechts monogrammiert 'G.M.' sowie links mit dem eingeritzten Künstlersignum versehen. - Auf der Plinthe hinten rechts mit dem Gießerstempel "GUSS RICH. BARTH MARIENDORF" versehen, vermutlich Vorkriegsguß. - Selten, ein weiteres Exemplar in der Städtischen Skulpturen-Sammlung Liebighaus, Frankfurt. - Mit schöner, mittelbraun-olivfarbener Patina. Die linke Figur rückseitig mit schmalem Brandriß.

Werktagebuch Gips/Bronze Nr. 134; Rudloff 285

Ausstellungen

Berlin 1935 (Galerie Buchholz); Hannover 1936 (Kestner-Gesellschaft), Gerhard Marcks, mit Titelabb.; Köln 1964 (Wallraf-Richartz-Museum), Gerhard Marcks, Kat. Nr. 12 mit Abb.

Literatur

u.a.: Alfred Hentzen, Besprechung der Ausst. in der Galerie Buchholz, in: Kunst der Nation 1935, Jg. III, Heft 2; Abb. S. 2; Alfred Hentzen, Deutsche Bildhauer der Gegenwart, Berlin o.J. (1935), S. 112; Herbert von Buttlar, Antike Plastik und Plastik der Gegenwart, in: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft, 1949/1950, Jg. XV, S. 270; Adolf Rieth, Gerhard Marcks, Recklinghausen 1959, S. 15

Die beiden Töchter des Künstlers standen für die vorliegende Plastik Modell. In stiller Eintracht sind die beiden einander zugewandt. Trotz der Hoheit und Grazilität der beiden Figuren, hat Marcks hier durch das Motiv der verschränkten Hände einen sehr intimen Ausdruck gefunden. Während sich das rechte Mädchen mit leicht geneigtem Haupt an die Schwester anlehnt, blickt diese, lässig im Kontrapost stehend, selbstbewusst nach vorne. Die Komposition wird durch ein ausgewogenes Mit- und Gegeneinander der zarten Formen geprägt. Auf einfühlsame Art sind hier Pose und Bewegung miteinander in Verbindung gebracht. Ein delikates Spiel von vertikalen und diagonalen Achsen verleiht den beiden Figuren eine Harmonie, welches die Erinnerung an antike Kunst wach ruft.

Die Plastik entstand 1934. Bereits im Jahr zuvor hatte man Gerhard Marcks aus seinem Lehramt an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein entlassen. 1934 hatte er jedoch das Glück zum Stipendiaten der Villa Massimo in Rom ernannt worden zu sein und somit dem Nationalsozialismus zeitweise entfliehen zu können.

Wie Martina Rudloff ausführt, finden wir das Motiv in der Figurengruppe „Zwei kleine Mädchen“ von 1926 vorgebildet (Vgl. Rudloff 147). Auch sei an einen Zusammenhang zu Gottfried Schadows 1795/97 datierter Plastik „Luise und Friederike von Preußen“ zu denken. Vornehmlich hat sich Gerhard Marcks jedoch mit den kanonischen Werten der antiken Plastik auseinandergesetzt.

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