Auktion 1013, Moderne Kunst und Sammlung Rau für UNICEF - 25. Mai 2013, 25.05.2013, 00:00, Lot 660

Lovis Corinth, Porträt Charlotte Corinth in brauner Bluse

Lovis Corinth, Porträt Charlotte Corinth in brauner Bluse, 1910, Auktion 1013 Moderne Kunst und Sammlung Rau für UNICEF - 25. Mai 2013, Lot 660

Öl auf Leinwand, doubliert, 105 x 85 cm, gerahmt. Oben rechts signiert und datiert 'LOVIS CORINTH 1910'. Rückseitig auf dem Keilrahmen mit den Fragmenten von zwei alten Etiketten, eines handschriftlich bezeichnet "Corinth No 10295", das andere mit der gedruckten Bezeichnung "F.K.V." und der handschriftlichen Nummer "975/4". - In sehr schöner farbfrischer Erhaltung. Wenige winzige unbedeutende Randretuschen.

Berend-Corinth 429 mit Abb. S. 543

Provenienz

Sammlung Dr. Rudolf Cohn, Königsberg; Karl & Faber, München, 100. Auktion, Graphik, Handzeichnungen, Aquarelle und Gemälde des 15.-20. Jahrhunderts, 17.5.1966, Los 226

Ausstellungen

Königsberg 1924 (Kunstsammlung); Berlin 1926 (Nationalgalerie), Lovis Corinth. Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis, Kat. Nr. 167; Dresden 1927 (Sächsischer Kunstverein, Brühlsche Terrasse), Lovis Corinth, Gedächtnisausstellung, Kat. Nr. 56

Literatur

Paula Steiner (Hg.), Lovis Corinth, dem Ostpreußen, Königsberg 1925, Nr. 22 mit Abb. S. 92, hier unter dem Titel "Damenbildnis"

Sammlung Rau für UNICEF

1901 lernt Lovis Corinth Charlotte Berend kennen, als ihm die Einundzwanzigjährige ihre Zeichnungen zur Begutachtung vorlegt. Sie wird die erste Schülerin in der Malschule, die der Künstler in der Berliner Klopstockstraße eröffnet. Zwischen Lehrer und Schülerin entwickelt sich schnell eine Liebesbeziehung, die sich auch im Oeuvre Corinths ablesen lässt: Seit 1902 entstehen zahlreiche Bildnisse von Charlotte Berend - Doppelportraits, Akte, Charlotte beim Malen, beim Spielen und Scherzen, in Alltagssituationen - und stets ist ihnen eine heitere Intimität eigen. 1903 findet die Eheschließung statt, im folgenden Jahr wird der gemeinsame Sohn geboren.

Im Entstehungsjahr unseres Portraits ist die mittlerweile dreißigjährige Charlotte bereits Mutter zweier Kinder. Trotz ihrer eleganten Kleidung und dem reichen Goldschmuck präsentiert sie sich unprätentiös und mädchenhaft. Die lebendige, amüsierte Mimik, der leicht schiefgelegte Kopf und die locker auf der Hüfte aufgestützte Hand vermitteln die Unmittelbarkeit und Gelöstheit, mit der die Portraitierte dem Betrachter gegenübertritt. Spürbar wird auch hier die offene, liebevolle Innigkeit, die den Maler und sein Lieblingsmodell verbindet.

Einen besonderen ästhetischen Reiz erhält das Bildnis durch die Kalt-Warm-Kontraste der Farbgebung. Der leuchtend blaue Stoff, der hinter der Figur sichtbar wird, steht in einem effektvollen Gegensatz zu den warmen Goldtönen von Bluse und Schmuck. Das helle, rosige Inkarnat wird durch diese Kontrastierung besonders hervorgehoben und unterstreicht die jugendliche Frische, die von der Portraitierten ausgeht.

Angesehene Lose

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