Ernst Barlach - Der Singende Mann

Ernst Barlach - Der Singende Mann - image-1
Ernst Barlach - Der Singende Mann - image-2
Ernst Barlach - Der Singende Mann - image-3
Ernst Barlach - Der Singende Mann - image-1Ernst Barlach - Der Singende Mann - image-2Ernst Barlach - Der Singende Mann - image-3

Ernst Barlach

Der Singende Mann
1928

Bronzeplastik Höhe 49,3 cm Rückseitig unterhalb des rechten Fusses am Sockel signiert 'Barlach' und mit dem Giesserstempel "H. NOACK BERLIN" versehen. Nach 1938 entstandener posthumer Guss (nach Laur sind 38 unnummerierte posthume Bronze-Exemplare bekannt, dazu drei 1940 entstandene Zinkgüsse). - Mit bronzefarbener, leicht glänzender, lebendiger Patina, stellenweise heller aufgelichtet.

Das Motiv des "Singenden Mannes" geht letzthin zurück auf das Jahr 1912, in dem Ernst Barlach ihn - schon mit geschlossenen Augen - erstmals skizziert (Wittboldt/Laur 1192; Schult III 966, Kohlezeichnung). Der Künstler entwickelt die Gestalt im Grunde aus zwei dynamisch gegenläufigen, länglichen Ellipsen, und es ist faszinierend, diesen noch in der räumlichen Organisation der sehr viel späteren Plastik nachzuspüren. Die Geometrie und latente Spannung der Form ergibt sich dabei von vorneherein aus der natürlichen körperlichen Haltung des Sängers: nach hinten gelehnt, um die Brust weit zu öffnen, bilden der Kopf, der geneigte Oberkörper und die nach vorne gestreckten Arme eine Achse, zu der die untere Körperhälfte, zwischen breit liegendem Bein und spitzwinklig aufgestelltem Knie die Gegenachse bildet.
Desweiteren taucht der "Singende Mann" 1915 und 1918 in zwei zeichnerischen Reliefstudien auf, darunter "Singender Mann im Rund" (Wittboldt/Laur 1588; Schult III 1284, 1918, Nachlaß Güstrow). Barlach passt das Motiv harmonisch in eine Kreisform ein. Auch dies erscheint bezeichnend als Vorformulierung für die endgültige Proportion und Beschaffenheit der Plastik, für ihre Zentrierung, für ihre ausstrahlende Ruhe und für die elementare, suggestive Kraft, aus der heraus der getragene "Ton" der menschlichen Stimme zu strömen scheint.
Barlach gelingt es, den Menschen und seinen Gesang in eine zeitlos-expressive Form zu bannen und das transzendierende Moment der Musik in seiner bildenden Kunst erfahrbar zu machen. Dies erklärt auch die immense Popularität der Plastik, die schon bald nach Erscheinen der Edition bei Flechtheim vergriffen war und nach dem Krieg bis in die 1970er Jahre hinein neu aufgelegt worden ist.

Werkverzeichnis

Laur 432/2; Schult I, 343

Provenienz

Im deutschen Kunsthandel in den 1970er Jahren erworben; Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

Literaturhinweise

u.a.: Ernst Barlach, Ein selbsterzähltes Leben, 1928, Tafel 69; Carl Dietrich Carls, Ernst Barlach. Das plastische, graphische und dichterische Werk, Berlin 1931, S. 45 mit Abb. bzw. Berlin 1950 S. 61 mit Abb.; Friedrich Schult (Hg.), Ernst Barlach. Sechsundvierzig Bilder. Potsdam 1950, Tafel 40; Anita Beloubek-Hammer, Ernst Barlach, Plastische Meisterwerke, Leipzig 1996, S. 116. f.; Helga Thieme, Ernst Barlachs Skulptur "Der singende Mann" in der Ausstellung "Neue deutsche Kunst", Oslo 1932, in: Ausst. Kat. Kunsthalle Rostock, Ernst Barlach, Artist of the North, Hamburg/Güstrow 1998, S. 310 ff.; Peter Thurmann, Zwei Holzbildwerke von Ernst Barlach und der Kulminationspunkt seiner Bildhauerkunst: "Der Einsame", "Der Mann im Stock" und "Der Rächer", in: Uwe Schneede (Hg.), Entdeckungen in der Hamburger Kunsthalle, Essays zu Ehren von Helmut R. Leppien, Hamburg 1999, S. 60-64; Eva Caspers, Der singende Mann, in: Ernst Barlach Haus Hamburg, München 2000, S. 93 ff. mit Farbabb. S. 94/95.

Ausstellung

u.a.: Berlin/Düsseldorf 1930 (Galerie Flechtheim), Bronzen von Ernst Barlach, Kat. Nr. 19; Dresden 1931 (Galerie Ernst Arnold), Bronzen von Ernst Barlach; New York 1931 (Museum of Modern Art); Oslo/ Kopenhagen/ Köln 1932, Nyere Tysk Kunst, Kat. Nr. 6; New York 1939 (Museum of Modern Art), Art in Our Time; Hamburg 1977 (Ernst Barlach Haus), Stiftung Hermann F. Reemtsma, Plastiken, Handzeichnungen und Autographen, Kat. Nr. 53; Antwerpen 1994/1995 (Koninklijk Museum voor Schone Kunsten), Ernst Barlach, Kat. Nr. 187 mit Abb.; Bergen/ Güstrow 2000 (Bergen Kunstmuseum/ Ernst Barlach Stiftung Güstrow), Ernst Barlach, Ein Graphiker und Bildhauer des deutschen Expressionismus, Nr. 92

Lot 218 Dα

Schätzpreis:
100.000 € - 120.000 €

Ergebnis:
124.000 €