August Macke - Sitzender Akt II

August Macke - Sitzender Akt II - image-1
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August Macke

Sitzender Akt II
1912

Aquarell und Gouache auf weißem Transparentpapier 32 x 27 cm Unter Glas gerahmt. Rückseitig unten rechts mit verblasstem Nachlass-Stempel versehen sowie mit Bleistift datiert und betitelt "Sitzender Akt". - Mit minimalen Randmängeln. Partiell mit winzigen Farbausbrüchen im Inkarnat. Äußerst farbfrisch erhalten.

Das hier angebotene Aquarell ist von August Macke ganz aus der Farbe entwickelt worden. Die Frauenfigur ist in einer rotbraunen Umrisslinie ausgeführt, das rosafarbene Inkarnat geht in den verschatteten Bereichen über in einen Braunorangeton, Lichter werden durch einzelne Details in einem Hellgrün gesetzt. Dasselbe Hellgrün sowie ein tiefes Dunkelblau sind die bestimmenden Farben des Umraums, der im unteren Bereich jedoch auch das Rosa und Orangerot des Aktes wieder aufnimmt. Durch die Komplementärkontraste der verwendeten Farben erfährt die zentral ins Bild gesetzte Aktfigur eine besondere Betonung und wird optisch weiter in den Vordergrund gezogen, wohingegen der Umraum in seiner Präsenz zurücktritt.
Macke ist in hohem Maße beeindruckt von den Raumwirkungen, die Robert Delaunay durch die Verwendung von Farbe in seinem Werk entwickelt hatte. Im Jahr 1912 intensiviert sich der Kontakt zwischen den beiden Künstlern und inspiriert August Macke zu ähnlichen Farbexperimenten. „'Delaunay arbeitet ohne Helldunkel die farbigen Kontrastgruppen so zusammen (oder vielleicht besser gesagt: er arbeitet sie so auseinander, aber zu einer Einheit), daß in seinen Bildern eine heftige Vor- und Rückwärtsbewegung entsteht.' […] Die Energie der Farbe - ihre Abstufungen und Kontraste, ihr Leuchten, ihre Verhaltenheit, ihr Angrenzen und ihr Sich-Durchdringen - bewirkt, wie Macke es beschreibt, dass die Farben optisch vor- und zurücktreten und die Eindrücke des deutlich Getrennten sich mit solchen der Einheit verbinden.“ (Erich Franz, in: August Macke und die frühe Moderne in Europa, Ausst. Kat. Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster/Kunstmuseum Bonn 2001/2002, S. 20).
Die in Bogen- und Kreisformen gesetzten, nicht näher zu definierenden Naturformen des Umraumes haben eine ornamentale Qualität, wie sie in den Aquarellen dieser Zeit bei Macke häufiger zu finden sind, so beispielsweise in „Liegender weiblicher Akt“ aus dem gleichen Jahr (Heiderich 155). Auch rein ornamentale, abstrakte Kompositionen entstehen 1911 und 1912 in Auseinandersetzung mit den zeitgleichen abstrakten Arbeiten Kandinskys.
Derselbe Akt mit stärkerer Binnenmodellierung, jedoch ohne ausgeführten Umraum, existiert auch als Bleistiftzeichnung aus dem gleichen Jahr („Studie zum ‚Roten Akt'“, Heiderich Zeichnungen 1100).

Werkverzeichnis

Heiderich 158; Vriesen (1957) 176

Provenienz

Nachlass August Macke; Kunstsalon Änne Abels, Köln (mit rückseitigem Aufkleber); Privatsammlung München (seit 1957)

Ausstellung

Hannover 1935 (Kestner-Gesellschaft), August Macke, Kat. Nr. 73 ?; Bielefeld 1957 (Städtisches Kunsthaus), Macke. Aquarell-Ausstellung, Kat. Nr. 176, Abb. S. 26

Lot 304 Dα

Schätzpreis:
60.000 € - 80.000 €

Ergebnis:
74.400 €