Auktion 1078, Moderne Kunst, 02.12.2016, 18:00, Köln Lot 209

Erich Heckel, Meerlandschaft (Ostende)

Erich Heckel, Meerlandschaft (Ostende), 1917, Auktion 1078 Moderne Kunst, Lot 209

Erich Heckel

Döbeln/Sachsen 1883 - 1970 Radolfzell

Meerlandschaft (Ostende)

1917

Tempera auf Leinwand. 41,3 x 52 cm. Gerahmt. Unten rechts schwach lesbar mit Bleistift signiert und datiert 'Erich Heckel 17' sowie rückseitig schwer lesbar mit schwarzem Stift zusätzlich signiert 'E Heckel'. - Mit einzelnen unauffälligen Retuschen.

Mit einer Expertise von Hans Geissler, Gaienhofen/Hemmenhofen vom 22. Dezember 2001. Das Gemälde wird in das geplante überarbeitete Werkverzeichnis aufgenommen.

Die letzten Jahre des Ersten Weltkriegs verbringt Erich Heckel in Flandern, wo er in Gent und Ostende als Sanitäter eingesetzt wird. Dass der Künstler nicht an die Front muss, verdankt er seinem Freund Walter Kaesbach. Der Kunsthistoriker und einflussreiche Förderer der Kunst des Expressionismus hatte sich freiwillig zum Sanitätsdienst gemeldet und als Zugführer eine ganze Reihe von Künstlern in seine Einheit aufgenommen. Dank Kaesbachs Dienstplänen findet Heckel neben seinen Aufgaben als Sanitäter regelmäßig Zeit zum Malen, und so entstehen in den Jahren 1915 bis 1918 über siebzig Gemälde, darunter auch viele Seestücke.

Es ist augenscheinlich, dass Heckel das Thema Krieg in seinem Werk vollkommen anders bewältigt, als etwa Max Beckmann oder Otto Dix. Seine Bildwelten zeichnen sich nicht durch die Brutalität und Erbarmungslosigkeit des Krieges aus, sondern vielmehr durch indirekte Andeutungen des Leides und inneren Erlebens: „Tatsächlich wurde Heckel durch seine Kriegserfahrungen, im Gegensatz zu Dix oder Grosz kaum politisiert oder gar radikalisiert. Extreme Emotionen waren Heckels Persönlichkeit fremd. Während Dix zunächst mit beträchtlichem Enthusiasmus in den Krieg zog, war Heckel von einem ‚Hurra-Patriotismus' - selbst als Freiwilliger - bereits bei seiner Abreise weit entfernt.“ (Aya Soika, Erich Heckel im Ersten Weltkrieg, in: Ausst. Kat. Erich Heckel. Aufbruch und Tradition. Eine Retrospektive, Schleswig & Berlin 2010/11, S. 78).

Obwohl Heckel als Sanitäter in Flandern den Krieg in gewisser Distanz erlebt, so war dieser doch allgegenwärtig. In einem Brief aus Ostende hält er im Oktober 1915 fest: „Trotz der großen Kämpfe an der Westfront ist bis jetzt hier wenig zu merken davon; vorbereitet ist alles. Es kann ja doch jeden Tag auch hier losgehen.“ (Brief an Gustav Schiefler vom 1. Oktober 1915. Zit. nach: Aya Soika, Erich Heckel im Ersten Weltkrieg, in: Ausst. Kat. Erich Heckel. Aufbruch und Tradition. op. cit., S. 79).

Die vorliegende Meerlandschaft vermag die gespannte Ambivalenz dieser Situation sensibel zu reflektieren: Fast unbewegt liegt die dunkelblaue See. Sie brandet nicht, sondern trifft zwischen langen Prielen ruhig auf den hellen Strand. Am Himmel kündigt sich gleichsam eine mächtige Wolkenkulisse an und erinnert an die Fragilität des trügerischen Sommeridylls.

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