Seltener großer Tafelleuchter aus dem Schwanenservice

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Seltener großer Tafelleuchter aus dem Schwanenservice

Porzellan, Emaildekor, Vergoldung. Aus fünf Teilen gebrannt und montiert. Bestehend aus einer großen skulpturalen Gruppe auf einem geschweiften Postament, den zentralen Leuchterarm in Form eines Schilfbündels haltend. Drei geschweifte Arme mit vergoldeten Metallmanschetten um eine zentrale Tülle. Das Postament umlegt mit drei plastischen Muscheln, dekoriert mit reliefierten Muscheln und Rocaillenkartuschen um das Allianzwappen Brühl-Kolowrat-Krakowský. Die Gruppe bestehend aus Liebespaar mit antikischer Tuchdraperie, zwei Putti mit Fischschwänzen und einem Delfin. Abgestrichener Boden ohne Marke, Formernummer 44. Abbruch an der vorderen rechten Muschel restauriert, ebenso der Durchbruch im mittleren Schilfbündel. Drei Tüllen verloren, die oberste Tülle ohne Traufschale. Zwei Zwingen ersetzt. Die Vergoldung aufgefrischt. H 51 cm.
Meißen, 1739 - 40, das Modell von Johann Joachim Kaendler.

Der Auftrag zu einer ersten Geschirrproduktion erfolgte bereits 1734. Kaendler arbeitete an Tellerentwürfen konsequent ab April 1736. Im August 1739 wurde Graf Brühl Oberdirektor der Manufaktur. Im Verlauf dieser Jahre entstand ein Service beeindruckenden Umfangs (über 2000 geschätzte Stücke), das ständig um weitere Formstücke vergrößert wurde. Das Thema der Wasserfauna und des Muschelwerks fand in diesem Zusammenhang zu einem ganz außerordentlichen Höhepunkt; das Service gilt heute als Hauptwerk der barocken Porzellankunst.
Es fand seine Aufstellung in Schloss Pförten, heute Brody in Polen, das Heinrich Graf Brühl am 24. März 1740 erwarb. Johann Joachim Kaendler war maßgeblich an der Innenausstattung beteiligt, er baute zwei Kamine aus Porzellan und lieferte rasch "fast 3000 Figuren, Gruppen und sonstige Kostbarkeiten sowie Tausende von Serviceteilen" (Pietsch, 2000, S. 88). Der Siebenjährige Krieg ging nicht spurlos an Schloss und Insassen vorüber. Graf Bühl musste fliehen, die Preußen annektierten das Gebäude als Lazarett, brannte es 1758 nieder, das Dach stürzte ein, das Mobiliar war vernichtet. Am 28. Oktober 1763, kurz nach der Niederlage Sachsens, starb Heinrich Graf Brühl in Dresden. Aus dem Inventar seines Nachlasses wissen wir heute, dass das Service doch in großen Teilen, wenn nicht sogar vollständig, gerettet wurde.
Es verblieb in Schloss Pförten, im Besitz der Familie und Nachkommen bis 1945. Als am Ende des Zweiten Weltkriegs die Rote Armee anrückte, sprengten die Soldaten die Eingänge mit Handgranaten und vernichteten viel Porzellan, große Teile des Services wurden zerschlagen und pulverisiert. Was nicht komplett zerstört wurde, fand sich bis in die 1980er Jahre in den umliegenden Guts- und Bauernhöfen. Der Ort Brody betrieb einen regelrechten Handel mit den noch gut erhaltenen Stücken. Auf diese Weise kam das legendäre Schwanenservice in den westlichen Kunsthandel.

Literaturhinweise

Vgl. Kat. Schwanenservice. Meissener Porzellan für Heinrich Graf von Brühl, Dresden-Leipzig 2000, Nr. 40, das Exemplar aus der Porzellansammlung Dresden, Inv. Nr. P.E. 1441. Pietsch listet drei weitere publizierte Ausformungen:
Privatsammlung, Deutschland
Carnegie Museum of Art, Pittsburgh (Pennsylvania), Inv. Nr. 63.1732 (mit Bronzearmen und ohne Wappen)
Residenz, Ansbach, Inv. Nr. P 300 (ebenfalls ohne Wappen).
Pietsch ist sich nicht sicher, um welchen Eintrag im Arbeitsbericht es sich handelt, denn es wurden zahlreiche Leuchter für das große Service hergestellt. Im Nachlassverzeichnis steht auf S. 311.r. "Fünfzehen Leuchter mit porcellainenen Figuren, zwey und drey tillicht" (Nr. 4004, ibd., S. 265). Möglicherweise handelt es sich um ein Stück aus dieser Position.

Lot 1135 Dα

Schätzpreis:
60.000 € - 80.000 €

Ergebnis:
74.400 €