Auktion 1121, Moderne Kunst - 30. November 2018, 30.11.2018, 17:00, Köln Lot 204

Hans Purrmann, Landschaft mit Palme

Hans Purrmann, Landschaft mit Palme, 1912, Auktion 1121 Moderne Kunst, Lot 204

Hans Purrmann

Speyer 1880 - 1966 Basel

Landschaft mit Palme

1912

Öl auf Leinwand. 50,5 x 61 cm. Gerahmt. Unten rechts schwarz signiert 'H. Purrmann'. - Stellenweise mit leichtem Craquelé.

Lenz/Billeter 1912/04

Mit einer Bestätigung von Robert Purrmann, Starnberg, vom 4.2.1970

Wir danken Felix Billeter, Hans Purrmann Archiv, München, für freundliche Hinweise.

Provenienz

Lothar Schmidt, München (1970); Karl & Faber, München, Auktion 180, 28. Nov. 1990, Los 1189; Privatsammlung Rheinland-Pfalz

Literatur

Annette Gautherie-Kampka, Café du Dôme. Deutsche Maler in Paris 1903-1914, Bremen 1996, S. 87 mit Abb.

Cassis, Collioure, Ajaccio: sonnengetränkte Orte in Landschaften des Südens, leuchtende, bisweilen übersteigert knallige Farben spiegeln das besondere Licht dieser Regionen. Hans Purrmann verbringt den überwiegenden Teil seines Lebens im Süden. Er ist fasziniert von der herben Vegetation und der mediterranen Architektur eingetaucht in Blicke auf Landschaften. Sein Entschluss, nach ersten Studien in München bei dem konservativen Franz von Stuck nach Paris zu wechseln, dort Henri Matisse zu begegnen und mit André Derain, Maurice de Vlaminck und anderen wie Albert Marquet das Aufbegehren der jungen Avantgarde gegenüber den Impressionisten und Pointillisten zu erleben, hat nicht nur den Beginn seiner Malerei geprägt. Unter dem Eindruck der Malerei Vincent van Goghs und der diesem nachfolgenden Pointillisten befreien sich Künstler um Matisse von dem in Paris noch vorherrschenden nachimpressionistischen Geschmack. Die von der Kritik als "Fauves" - zu deutsch "wilde Tiere" - abgestempelten Maler entwickelten einen neuen und für kurze Zeit einflussreichen Stil.

Mit dem älteren Matisse verbindet Purrmann eine lebenslange Freundschaft: Sie malen zusammen, sie reisen zusammen; der in Speyer geborene Künstler verinnerlicht das Credo des Franzosen nicht nur, er verdichtet die von Matisse in seiner Pariser Académie propagierte „Vereinfachung der Idee und der Form“ in seiner Malerei.

„Landschaft mit Palme“ ist ein treffliches Beispiel für die Umsetzung. Bilder mit südlichen Landschaften, die 1909 in Cassis an der provenzalischen Küste und ein Jahr später im südlich von Perpignan am Golf von Lyon gelegene Dorf Collioure entstehen, vertieft Purrmann Anfang 1912 in Ajaccio. Die Hochzeit des Künstlers mit Mathilde Vollmoeller ist Anlass der Reise auf die französische Mittelmeerinsel Korsika. Dort entstehen eine Vielzahl von Landschaftsbildern mit der markanten Architektur einer Ölmühle, Blicke wie hier durch von Purrmann angeschnittene Häuser auf hochgewachsenen Palmen, Zypressen und Pinien im grellen Sonnenlicht, gemalt mit impulsiv gesetzten Pinselstrichen und frech wie direkt ohne Übergänge aneinandergesetzte Farben.

Eindrücke von der Begegnung mit dieser kargen Landschaft berichtet Mathilde Vollmoeller in einem Brief vom 4. Februar 1912 an Rainer Maria Rilke: „Große Kautschukbäume, blühende Mimosen, Geranien und Rosen, und eine verlassene aufgegebene Stadt, fast ohne Gäste und verwilderte Gärten um geschlossene Häuser. Wir wollen ein Unterkommen für Monate suchen und bescheiden um Zutritt und nähere Bekanntschaft mit diesen herrlichen Bäumen, Felsen, Meer und Mauern bitten. Bis uns die Hitze vielleicht vertreibt, wer weiß, vielleicht kennen Sie Corsika? Uns ist es eine Steigerung nach Südfrankreich und ladet uns von allen Seiten zur Arbeit ein.“ (Zit. nach Christian Lenz, Felix Billeter, Hans Purrmann. Die Gemälde, München 2004, Band 1, S. 75)

Unsere Webseite verwendet Cookies. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. OK