Renée Sintenis - Großes stehendes Fohlen

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Renée Sintenis

Großes stehendes Fohlen
1932

Bronzeplastik Höhe 102 cm Auf der Plinthe links signiert und datiert 'R Sintenis 32' sowie am linken Plinthenrand mit dem Gießerstempel "H. NOACK BERLIN FRIEDENAU" versehen. Eines von wenigen Exemplaren. Lebzeitguss. - Mit schöner anthrazit-brauner Patina versehen, teils grünlich oxydiert durch Aufstellung im Außenbereich. Mit strichförmiger unauffälliger Bereibungsspur an der linken Halsseite.

Renée Sintenis zählt nicht von Ungefähr zu den großen Tierbildhauern des 20. Jahrhunderts - national wie international. Mit ungemeinem Einfühlungsvermögen ist sie in der Lage, das jeweils Typische eines Tieres und seine jeweilige Befindlichkeit in einem „fruchtbaren Augenblick“ - Lessings Begriffsbestimmung in der Unterscheidung der Aufgabe von Bildender Kunst und Literatur angesichts der antiken Skulptur des „Laokoon“ - festzuhalten. Ergötzlich ihre laufenden Elefanten mit den großen schlackernden Ohren und den wippenden Schwänzchen oder die verschlafen sich faul räkelnden Terrier. Immer wissen ihre Lebewesen die Empathie des Betrachters zu gewinnen und sein Interesse für sie zu fesseln.
Bekannt waren die Werke von Renée Sintenis schon in den frühen 1920er Jahren, berühmt war sie selbst als Verkörperung des neuen Frauentyps. Groß gewachsen, sportlich modisch gekleidet und frisiert ritt sie auf dem eigenen Pferd durch den Berliner Tiergarten und verfügte über ein eigenes Automobil. Für ihren Galeristen Alfred Flechtheim war sie ein unerlässlicher Partygast, der die bunt schillernde Gesellschaft aus Bankern, Ärzten und Künstlern bereicherte. Ihre Plastiken wurden auch von den Kollegen hoch geschätzt. Sie selbst wurde von Kolbe, Nolde und anderen porträtiert.
So war es der Bildhauerin in den 1930er Jahren auch finanziell möglich, einzelne größere Plastiken wie unser schönes „großes stehende Fohlen“ in Bronze gießen zu lassen - wenige Jahre später wurde das Material kriegsbedingt eingezogen und stand den Künstlern als Werkstoff nicht mehr zur Verfügung.
Zu dem Zeitpunkt jedoch ‚graste' das Fohlen bereits im Park der Familie Colsman und erlaubte den jüngeren Familienmitgliedern die Realisierung ihrer Cowboy- und Indianerträume.
Adalbert Colsman trug mit seiner Frau Thilda in Langenberg eine bemerkenswerte, hochkarätige Sammlung von Avantgarde-Kunst in Langenberg zusammen mit zahlreichen Werken u.a. von Emil Nolde und Christian Rohlfs. Über seine Schwester Gertrud war Colsman mit Karl Ernst Osthaus, dem Gründer des Folkwang Museums in Hagen, familiär verbunden; im Folkwang Museum hatte Christian Rohlfs sein Atelier. So mögen sich Colsman und Osthaus in ihren Sammlungsideen ausgetauscht und auch sich von dem Aufschwung des kulturellen Klimas, das die Avantgarde in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts in der angewandten und bildenden Kunst mit sich führte, haben mitreißen lassen.

Werkverzeichnis

Berger/Ladwig 129; Buhlmann142

Provenienz

Sammlung Adalbert und Thilda Colsman, Langenberg (erworben 1936); seitdem Familienbesitz

Literaturhinweise

Hanna Kiel, Renée Sintenis, Berlin 1935, S. 55, S. 78 mit ganzseitiger Abb.; Hanna Kiel, Renée Sintenis, Berlin 1956, S. 72 mit ganzseitiger Abb.; Heinz Ohff, Noack - Die Geschichte einer Bildgießer-Dynastie 1897-1967, Berlin (1967), mit Abb. o.S.; Martin Damus/Henning Rogge, Fuchs im Busch und Bronzeflamme. Zeitgenössische Plastik in West-Berlin, München 1979, S. 100 mit Abb.

Ausstellung

Berlin 1958 (Haus am Waldsee), Renée Sintenis, Kat. Nr. 55; Lindau/Bregenz 1961 (Palais Thurn und Taxis), Renée Sintenis - Joh. Michael Wilm, Kat. Nr. 1

Lot 51 D

Schätzpreis:
150.000 € - 200.000 €

Ergebnis:
156.250 €