Auktion 891, Moderne Kunst, 02.06.2006, 00:00, Köln Lot 920

Hans Purrmann, Landschaft bei Collioure

Hans Purrmann, Landschaft bei Collioure, 1911, Auktion 891 Moderne Kunst, Lot 920

Öl auf Leinwand 50,5 x 62 cm, gerahmt. Unbezeichnet. - Rückseitig auf der Leinwand mit zwei alten aufgeleimten Papieraufklebern (Transport bzw. Aufbewahrungsetiketten). - Auf altem Rahmen unter fachmännischer leichter Randanstückung neu aufgespannt.

Billeter 1911/01

Provenienz

ehemals Christine Sieger-Purrmann, Stuttgart; süddeutsche Privatsammlung

Aus den Jahren 1910 und 1911 sind insgesamt acht Bilder mit dem Titel „Landschaft bei Collioure“, bzw. „Häuser bei Collioure“ bekannt. Bei vier von ihnen ist der Verbleib unbekannt. Die serielle Vorgehensweise ist für Purrmann durchaus typisch. Er hat häufig zu einem Motiv mehrere Varianten angefertigt, dagegen kommen reine Wiederholungen bei den Gemälden nicht vor. Arbeiten aus diesen frühen Jahren sind höchst selten.

Wie es auch bei der vorliegenden Arbeit der Fall ist, hat Purrmann nicht alle seine Werke signiert und datiert. Dies bedeutet keinesfalls, daß das Bild als unfertig oder qualitativ minderwertig zu betrachten sei. Ganz im Gegenteil: Purrmann selbst war mit den Arbeiten, die in Collioure entstanden, höchst zufrieden. Den Sommer 1910 hatte er bereits in Collioure in Südfrankreich verbracht. Auch 1911 kam er immer wieder, um zu malen oder um seinen Freund Matisse zu besuchen, an diesen Ort zurück. Matisse hatte Purrmann 1905 in Paris kennen gelernt. Zwischen den beiden Künstlern entwickelte sich über die Jahre eine innige Freundschaft, wobei sich Purrmann auch als Matisse-Schüler verstanden wissen wollte. Seit 1908 haben die beiden diverse Reisen, nicht nur nach Südfrankreich, sondern auch nach Deutschland unternommen. Auch Matisse äußerte sich positiv über die Collioure-Landschaften seines jüngeren Freundes. Er lobte den Reichtum der Farbe wie auch die Harmonie, die von den Arbeiten ausgeht.

Purrmanns Malerei stellt unter Beweis, dass er ein sehr routinierter und virtuoser Maler war. Ihm ging es nicht um die Vermittlung einer Botschaft oder die Schaffung eines neuartigen Stils, sondern allein um Malerei von hoher künstlerischer Qualität. Er widmete sich gerne klassischen Themen, wie Landschaft, Portrait oder Stilleben. Gemalt hat er vorwiegend nach der Natur. Dabei war seine Arbeit sehr gründlich und sein Auge scharf. Oft gab er sich erst nach zahlreichen Korrekturen und Übermalungen zufrieden, weshalb ihm auch die Aquarelltechnik weniger zusagte.

Die „Landschaft bei Collioure“ zeichnet sich durch ihre frische wie differenzierte Farbigkeit aus. Die Farbe ist temperamentvoll, aber dennoch recht locker aufgetragen. Die meisten Farben sind mit Weiß aufgehellt, wodurch der lichte Charakter dieser Landschaft im Sonnenlicht unterstrichen wird. Das Blau des Himmels und des Meeres setzt sich, getrennt durch die leuchtend weißen Häuser und die terracottafarbenen Dächer, vom Grün der Vegetation ab. Als violette horizontale Streifen sind Berg- und Schattenzone dazwischen gesetzt. Hier wird nicht nur ein gewisser Einfluss von Matisse, sondern auch von Cézanne spürbar, dessen Werk Purrmann sehr bewunderte und dessen Gedächtnisausstellung er 1907 im Pariser Herbstsalon besucht hatte.

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