Emil Nolde - Marschlandschaft mit roten Wolken, Landschaft um Utenwarf

Emil Nolde - Marschlandschaft mit roten Wolken, Landschaft um Utenwarf - image-1
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Emil Nolde

Marschlandschaft mit roten Wolken, Landschaft um Utenwarf
Um 1920/25

Aquarell 32,2/32,7 x 43,1 x 43,7 cm signiert

Die nach Reuther in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre entstandene Arbeit zeigt die Landschaft um Utenwarf, nicht weit entfernt von Noldes heimatlichem Tondern. In Utenwarf hatte sich Nolde 1916, von der Ostseeinsel Alsen wechselnd, in die damalige Weite des westlichen Küstenmarschlands zurückgezogen, bis zu seinem Umzug nach Seebüll 1926.
Feuerrote Elemente in Noldes Marschlandschaften sind oftmals die ziegelroten Bauerngehöfte mit ihren tiefgezogenen Reetdächern. Die Gehöfte treten hier jedoch nurmehr als Punkte optischer Verankerung am fernen Horizont auf und es ist vielmehr ein rot-orange entzündeter Himmel mit ziehenden Wolken, der mit seiner Farbe die Weite der wässrigen Ebene in lang- und tiefgezogenen Lichtspiegelungen überschüttet. Schwarze Tuschlinien gliedern und setzen hochexpressive Kontraste. In den heute selten in dieser Qualität erhaltenen Landschaftsaquarellen aus den frühen 1920er Jahren wird Noldes Faszination durch die Großartigkeit der ewig variierten und veränderlichen Naturphänomene lebendig.
"Als um 1912 wir uns Utenwarf gekauft hatten, wußten wir nicht, daß das ganze Land im Winter unter Wasser stehe, ja sogar im Sommer überschwemmt werden könne. Der kluge Verkäufer sagte hiervon nichts. Wirtschaftlich war dies selbstredend ein böser Nachteil, mir aber als Maler und uns als Künstlermenschen war es eine besondere Schönheit und Freude.
Es war herrlich, wenn um uns in meilenweiter Sicht alles nur Wasser war, wenn der hohe Himmel sich spiegelte, oder wenn in der Nacht der Mond mit seinem kalten Glanz ein Silbermärchenland bildete. Wir hatten es auch gern, wenn der Weg vom alten Deich bis zu uns hinüber mit Reisern abgesteckt war, und wenn unser Pferd so hoch, wie seine Beine waren, durch das Wasser den Wagen ziehen mußte. Und schön war es, wenn der Wind in langen Streifen die Wellen peitschte, oder die farbigen Morgen- und Abendwolken sich in der Wasserfläche verdoppelten. Viel Romantik und viel Ungemach, aber die Schönheit vermochte alles andere zu ersetzen.
[...] Die Wiedau einst schlängelte sich breit in großen Bögen durch das grüne Land, frei zum Meere hin. Auf ihren großen Halbinseln, auf aufgeworfenen Warften, lagen stolz und trotzig große Bauernhöfe. Während der Sommermonate war alles blumig und friedlich, im Herbst aber trieben die Stürme das Meer über die Grasflächen, peitschend die Wellen gegen die Warften, ja selbst zuweilen, die Mauern durchschlagend, in die Häuser hinein. So stand der Hof dann nur noch auf seinen tief eingerammten Pfählen, und die Bewohner, auf dem Heuboden oben sitzend, erwarteten das Fallen der Flut." (zitiert nach: Martin Urban (Hg.), Emil Nolde, Mein Leben, Köln 1976, S. 321/322)
So beschrieb Nolde die existentiellen und harten Bedingungen des Lebens an der friesischen Nordseeküste und ihren Marschen, deren Naturdarstellung untrennbar mit seinem malerischen Werk verbunden bleibt. Es war eine bewußte, inspirierte Wahl, denn als Movens des Wechsels von Alsen nach Westen fügte der norddeutsche Künstler unmißverständlich hinzu:
"Alsen ist sehr schön, uns nur war des Milden, des Lieblichen und Idyllischen zu viel. Ich hatte oft Kopfschmerzen. Mich sehnte nach hoher, freier Luft, nach herber, starker Schönheit, so wie die Westküste mit ihrer weiten Himmelsspannung und den Wolken über Marschland und Wasser besonders in den rauhen Jahreszeiten sie so verschwenderisch gibt." (ebenda, S. 312)

Zertifikat

Mit einer Fotoexpertise von Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 14. Januar 2008

Provenienz

Deutsche Privatsammlung, Spanien

Lot 214 D

Schätzpreis:
200.000 € - 220.000 €

Ergebnis:
252.000 €