Auktion 943, Moderne Kunst, 28.05.2009, 16:00, Köln Lot 152

Otto Modersohn, Sturm im Teufelsmoor

Otto Modersohn, Sturm im Teufelsmoor, 1927, Auktion 943 Moderne Kunst, Lot 152

Öl auf grober Leinwand 85 x 148,5 cm, gerahmt. Unten links dunkelblau signiert O Modersohn.

Mit einer Expertise von Rainer Noeres, Otto Modersohn Museum, Fischerhude, vom 22. November 2008

Provenienz

Ehemals Ewald und Katharina Dobler (1927-1930), seitdem in Familienbesitz

Das vorliegende bisher nicht veröffentlichte Werk war höchstwahrscheinlich ein privater Auftrag des ehemaligen Besitzerehepaares an den Künstler und als solcher eine Wiederholung eines im Oeuvre zentralen und prominenten Motivs der 1890er Jahre, das Otto Modersohn vor allem in den zwanziger Jahren, leicht variierend, immer wieder aufnahm. Dazu Rainer Noeres, der auf Grund stilistischer Kriterien das vorliegende Gemälde um 1927 datiert:

"Das Atelierverzeichnis weist mit gleichem Titel drei weitere Bilder in den Jahren 1922 bis 1925 aus; ebenfalls großformatig. Otto Modersohn hat dieses ansprechende Motiv auch im Auftrag mehrfach wiederholt. Die ursprüngliche Fassung aus dem Jahr 1896 hing bis in die Kriegsjahre im Schlesischen Museum der bildenden Künste zu Breslau, mit der Inv.-Nr. 921. Es ist seit Kriegsende verschollen. Angekauft wurde es 1898 für 1.500,- Reichsmark. Es hat das Format 132 x 215 cm und ist somit deutlich größer als alle nachfolgenden Varianten." (Zit. nach freundlicher Mitteilung)

In der 1902 bzw. 1910 (in erweiterter Auflage) publizierten Monographie Rainer Maria Rilkes zu "Worpswede" ist wohl diese Breslauer Fassung abgebildet unter dem Titel "Herbstlandschaft aus dem Teufelsmoor. 1896" (R.M. Rilke, Worpswede. Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Fritz Overbeck, Hans am Ende, Heinrich Vogeler, Reprint der Ausgabe Worpswede 2000, Abb. 7, S. 59; vgl. auch Ausst. Kat. Otto Modersohn, Monographie einer Landschaft, Kunstverein Hannover/Landesmuseum Münster, Hamburg 1978, mit Farbabb. S. 150 "Sturm im Teufelsmoor"). Sie zählt zu den damals neuen charakteristischen Landschaften des Künstlers, die um 1895/1896 entstanden und erstmalig auf der internationalen Jahresausstellung im Münchener Glaspalast 1895 einen sensationellen Erfolg erzielten.

"Worpswede begann; es ist schon gesagt worden wie. Es war von jenem Herbst die Rede, da drei junge Maler auf einer Brücke standen und nicht Abschied nehmen konnten; [...] Auch für Otto Modersohn war es nicht leicht anzufangen. Wohl war ein Wunder geschehen. Eines von jenen Wundern, die geschehen müssen in jedem Künstlerleben, damit es sich ganz entfalten könne. Eine Sprache war ihm gegeben worden, eine eigene Sprache, wie Rossetti sie mit Elisabeth Eillinor Siddal empfing. Aber nun lag die eigentliche Arbeit erst vor ihm. Er fühlte es vielleicht in den ersten Wochen schon, daß hier in der seltsamen, geheimnisvoll reichen Natur Worpswedes seine Sprache auf ihn wartete, er begegnete auf seinen Wegen tausend Ausdrücken für tausend Erlebnisse seiner Seele und erkannte sie auf den ersten Blick. Hier war ein Land, mit dessen Dingen er sich sagen konnte. Hier waren Morgen voll Hoffnung und Heiterkeit und Nächte voll Sterne und Stille. Tage brachen an, in denen Unruhe war, Wucht und Sturm und die Ungeduld junger Pferde vor dem Gewitter. Und wenn es Abend wurde, so war eine Herrlichkeit in allen Dingen, gleichsam ein flutendes Überfließen, wie bei jenen Fontänen, bei denen eine jede Schale sich füllt, um sich rauschend in eine tiefere zu ergießen." (Rainer Maria Rilke, Otto Modersohn, in: Worpswede, op. cit., S. 65/66)

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