Otto Freundlich - Komposition

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Otto Freundlich

Komposition
1940

Gouache (Tempera) 31,8 x 20,9 cm

Zertifikat

Mit einer Fotoexpertise von Edda Maillet, Les Amis de Jeanne et Otto Freundlich, Pontoise, vom 22. Mai 1988

Provenienz

Galerie Brockstedt, Hamburg (1982/83); Privatsammlung Rheinland
"In [...] Ähnlichkeit zu den Standpunkten Malewitschs, Moholy-Nagys, Strzeminskis und Mondrians hat Freundlich stets darauf verwiesen, daß am Ursprung der modernen Malerei (das heißt für ihn der abstrakten Kunst) die Fläche im Reinzustand steht: ' Das Prinzip der neuen Malerei ist einfach... die gemalte Fläche stellt sich rein und kompromißlos wie eine klare Funktion in Beziehung zu anderen gemalten Flächen dar. Die reine, mit derselben Farbmischung gemalte Fläche ist der Feind der alten Maltechnik und ihrer Ideologie. Mit ihr begann der Maler, die Darstellung der Natur hinter sich zu lassen, aber er brauchte mehrere Jahrzehnte, ehe er als ausdrucksstarkes, reiches Instrument daraus hervorgehen konnte.'
Freundlich lud dieses 'Instrument' sogleich mit einer eigenständigen inneren Kraft auf, was vollkommen zu der transformatorischen Vorstellung von einer dynamischen Materie mit unendlichen Verwandlungsmöglichkeiten paßt. Er stellt die angebliche objektive Qualität der Form als eines intellektuellen Spiegels in Abrede, der in erstarrten (also endgültigen, toten) Darstellungen die außerbildliche Welt einfangen soll, und hebt in seinen Texten die instrumentale Objektivität der Malfläche und der Geometrie im allgemeinen hervor. [....] Die Geometrie wird von Otto Freundlich nicht als eine objektive Ordnung an sich, eine Art höherer Maßstab und Bezugsordnung angesehen, sondern sie bietet lediglich eine gewisse funktionale (weil objektive) Erleichterung, weil sie den Aufbau des Flächensystems gestattet. Sie erscheint als unpersönlicher Kodex, der eine große Flexibilität der Aussage erlaubt.
Die dynamische Auffassung des durch ein fortwährendes energetisches Brodeln gekennzeichneten Bildfeldes stellt die andere feste Größe dieser neuen abstrakten Sprache dar. Man begreift von daher gesehen die anerkennende Einschätzung, die Freundlich ähnlich wie Kandinsky oder die italienischen Futuristen der letzten Phase van Goghs gegenüber äußert, dessen historische Bedeutung in dieser Auffassung vom Entstehen eines aktiven Bildfeldes nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Freundlich drückt dies in einem Nachruf auf van Gogh vom 28. Juli 1930 so aus:
' Die Energie der freien Flächen.... verändert in eigenwilliger Weise die Wahrnehmung... die Bestandteile und die Positionen der Farbflächen durchdringen die Motive mit ihrere Energie und verwandeln ihr statisches Leben in ein dynamisches Leben. Wir befinden uns hier im Bereich der freien Ursachen und gehören so einer anderen Reälität an.' " (zit. nach Andréi B. Nakov, "Eine riesige Wand, deren Grenze die Ewigkeit ist", in: Ausst. Kat. Otto Freundlich, Bonn/ Braunschweig/ Neuer Berliner Kunstverein e.V. , S. 46)

Lot 64 D

Schätzpreis:
15.000 € - 18.000 €

Ergebnis:
25.200 €