Auktion 990, Moderne Kunst, 02.12.2011, 00:00, Köln Lot 210

Emil Nolde, Bauerngehöft

Emil Nolde, Bauerngehöft, 1920-1925, Auktion 990 Moderne Kunst, Lot 210

Aquarell und Tuschpinsel auf dünnem Japanpapier 33,5 x 47,7 cm, unter Glas gerahmt. Unten rechts mit Feder in dunkler Tinte signiert Nolde. - Stellenweise mit schwachen Knitterungen und alten Knickspuren.

Mit einer Foto-Expertise von Manfred Reuther, Stiftung Ada und Emil Nolde, Seebüll, vom 22. Oktober 2011

Provenienz

Günther Franke, München (dort erworben); ehemals süddeutsche Privatsammlung

Über Jahrzehnte hinweg vermochte die heimatliche Landschaft Nordfrieslands, ihre eindrückliche wilde Schönheit und das reiche, bisweilen dramatische Licht- und Farbenspiel Emil Nolde zu faszinieren. Aus einer tiefen Ergriffenheit heraus überführte er seine Motive aus der dinglichen Welt in eine neue, poetisch paraphrasierte Wirklichkeit. Das friesische Gehöft wird hier gleich Himmel und Wiesen zum suggestiven Ausdrucksträger. Durch die Fokussierung des in Orange und Ocker gehaltenen Gehöfts eingerahmt von dunkleren, aber fein nuancierten Blau-, Grau- und Grüntönen erhält diese Komposition intensive Leuchtkraft und damit den für Noldes Landschaftsaquarelle so typischen Klang, der gerne als Gradmesser des menschlichen Gemütszustandes interpretiert wird. So liegt jeder Farbe ihre Seele inne; sie kann Glück oder Schmerz bedeuten, beängstigen oder begeistern. Zusätzliche Spannung entsteht durch die lockere schwarze Konturierung, welche die leuchtenden Farben vor dem düster drohenden Himmel hervorhebt und zugleich eine Festigung der Form bewirkt. Das Aquarell "Bauerngehöft" zeugt von Noldes Souveränität in der Behandlung der malerischen Mittel, ohne dass der Eindruck einer 'Seelenlandschaft' verloren geht.

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