Auktion 997, Moderne Kunst, 22.05.2012, 00:00, Köln Lot 226

Hans Purrmann, Kakteenhügel auf Ischia

Hans Purrmann, Kakteenhügel auf Ischia, 1953, Auktion 997 Moderne Kunst, Lot 226

Öl auf Leinwand 66,3 x 79,5 cm, gerahmt. Unten rechts schwarz signiert H. Purrmann. - Rückseitig auf dem Rahmen oben mit dem bedruckten Ausstellungsaufkleber "DEUTSCHER KÜNSTLERBUND", darin handschriftlich in Tinte (verblasst) mit Künstlernamen und Titel versehen. - In der Himmelspartie an 2 kleinen, punktgrossen Stellen fachmännisch restauriert; die Oberfläche gereinigt.

Lenz/Billeter 1953/14 (Archiv-Nr.: 244)

Provenienz

Vom Künstler erworben, ehemals Privatbesitz Hamburg; seitdem in Familienbesitz

Ausstellungen

Hannover 1955 (Kunstverein Hannover), 5. Ausstellung Deutscher Künstlerbund, Nr. 77; Hannover 1960 (Kunstverein Hannover), 121. Frühjahrsausstellung, Nr. 117

Im Aufbau dieses in Porto d'Ischia entstandenen Purrmann-Gemäldes schichten sich Stein und Vegetation kontrastvoll zu einer stufigen, pyramidalen Landschaftsdarstellung. Einander verwandte, erdige Farbnuancen von Ocker und Rotbraun neben einer Vielzahl grüner Farbfacetten konstituieren - letztlich Cézanne-ähnlich - das Motiv. Aber anders - und dem großen Vorbild Henri Matisse verpflichtet - werden wirkungsvoll Details abstrahiert und als Gegenstandskürzel zusammengefasst: So akzentuieren eingeschriebene kleine Nester schwarz umrandeter Formen, verteilt auf die Bildfläche, die sperrigen "Kakteenbüsche" des Hügels. Die malerischen Elemente wirken hier weitaus robuster als in der motivlichen Gemäldevariante, die in etwas kleinerem Format die Umrisse zarter zu verschleifen scheint (vgl. Lenz/Billeter 1953/12 bzw. Christian Lenz, Hans Purrmann, "Im Kräftespiel der Farben", Gemälde-Aquarelle, München 2006, Nr. 61 mit Farbabb. S. 190/191).

"Hans Purrmann gelingt es, in seinen Landschaftsbildern die Kulisse zu überwinden, das Pittoreske in ein Malerisches umzuwandeln, weil er sie eben mit den Augen des begnadeten Malers und nicht mit denen des motivhungrigen Touristen sieht.

Es ist, als seien in seinen Bildern zwei Gruppen von Elementen, zwei Schichten von Wirkungsträgern miteinander verbunden. Bei einer ersten Betrachtung erlebt man ein Bild als ein gutes Bild; bei einer vertieften Betrachtung erkennt man, welche künstlerische Intelligenz darin am Werk ist. Er ist ein Maler, der wie kein anderer Maler weiß, was gute Malerei ist, der aber keinen Augenblick vergißt, daß wirklich gute Malerei nie bloß gute Malerei ist; daß gute Malerei nie genügt, um ein vollendetes Bild zu schaffen, worauf es allein ankommt. Die Fläche, die ihm beim Malen zur Verfügung steht, ist für ihn der Ort, an dem er eine geistig-sinnliche Ordnung zu verwirklichen hat: gezeichnet-gemalte, gemalt-gezeichnete Äquivalenz eines Weltgefühls, und diese Umwandlung vollzieht sich in einem wachen, machmal unruhigen Geist, dem in der Auseinandersetzung mit den Widerständen (aus dem Erlebnis und der Erfahrung) von allen Seiten her die Mittel und Möglichkeiten sich zur Verfügung stellen, seine Vision in das Bild umzusetzen. Seine Malerei ist darum frei von unbereinigtem Gefühl, ungeklärter Empfindung, frei von Sentimentalität und Literatur." (Gotthard Jedlicka, in: Hans Purrmann als Geburtstagsgruss aus seiner Heimat zum 10. April 1964, Mainz 1964, S. 21)

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