Vase Münchner Sorte No. 3 mit zwei Henkeln

Vase Münchner Sorte No. 3 mit zwei Henkeln

Porzellan, Emaildekor, lapislazuliblauer Fond mit Goldpunkten, radierter Matt- und Glanzgolddekor, Braun und Grün ombriert, vergoldete Bronzemontierung. Zwei große Porzellanteile, Hals und Korpus mit Henkeln, im Schulterbreich durch einen Blattreif aus Bronze gehalten. Angeschraubter kannelierter Bronzefuß mit Flechtbandrelief und Blattkranz.
Auf beiden Schauseiten große eckige Bildfelder mit fein radierten Bronzerahmen um die bezeichneten Ansichten "Das Opernhaus in Berlin" und "Das Schauspielhaus in Berlin."
Unter den Henkeln zwei goldgrüne Lorbeerkränze mit preußischen Adlern über klassizistischen Goldranken. Keine sichtbare Marke, auf der hölzernen Unterlegscheibe der Schraube tintengeschriebene "No. 6". Ein Henkel mit älterer, etwas verfärbter Restaurierung. H 78,5 cm. Die Vase wird mit einem speziell angefertigten weißen Marmorpostament verkauft.
Berlin, KPM, 1830er Jahre, der Golddekor Johann Heinrich Strack zugeschrieben, die Ansichten wohl nach Carl Daniel Freydanck.

Im "Conto Buch Sr: Majestät des Königs" gibt es unter dem 4. April 1834 folgenden Eintrag:
"Für den Kayserlichen Rusß. FeldMarschall Grafen Wittgenstein
1. Vase Münchner Sorte No. 3 mit 2 Hkl: mit coul: Prospekt vom Schauspielhause und Opernhaus in Gold(rahmen), an beiden Seiten bleu azur fond, darauf arab: und Adler aus Braun u. Gold, nebst coul: u. Gold Decoration ... 781 Rthlr. 12 1/2 Sgr.
bronze Reif. Schraube ... 18 Rthlr. 17 1/2 Sgr." (Baer, S. 85)

Dank der exakten Beschreibung dürfen wir mit großer Sicherheit annehmen, dass es sich um diese Vase handelt. Graf Wittgenstein erhielt also eine Vase, auf der die beiden großen Kulturinstitutionen abgebildet waren, und eines davon, das Schauspielhaus, ist das glanzvoll 1821 eröffnete Hauptwerk des königlichen Architekten Karl Friedrich Schinkel.
Ludwig Adolph Peter Graf zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1769 - 1843) kämpfte als alliierter Generalfeldmarschall der russischen Armee bei der Völkerschlacht zu Leipzig. Genau im Jahr 1834 wurde er durch Friedrich Wilhelm III. in den Fürstenstand erhoben. Ein Vasengeschenk genau zu diesem Anlass wäre plausibel.

Provenienz

Ehemals Preussag-Sammlung

Literaturhinweise

Zur Transkription des Contobuchs s. Baer / Baer, ... auf Allerhöchsten Befehl..., Berlin 1983, S. 85. ein ähnlicher Vergoldungsentwurf von Strack ibd. Nr. 3.

Lot 449 Dα

Schätzpreis:
50.000 € - 80.000 €

Ergebnis:
130.200 €