List, Herbert

Herbert List

Herbert List - Duschende junge Männer

Mit seinen ästhetisch eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Fotografien bildete Herbert List nicht einfach die Wirklichkeit ab, sondern überführte sie in einen surrealen Raum, in dem er sie auf das Einfache und Grundlegende reduzierte und ihr damit neue Geltung und Strahlkraft verschaffte.

Herbert List - Ein Kaffeekaufmann wird zum Kunstfotografen

Herbert List wurde am 7. Oktober 1903 in Hamburg geboren. Nach dem Besuch der Gelehrtenschule des Hamburger Johanneums und einem Studium der Literaturgeschichte in Heidelberg begann er 1924 eine Lehre in der väterlichen Kaffee-Import-Firma List & Heinecken. Von 1925 bis 1928 reiste er als Kaffeekaufmann durch Südamerika und die USA, 1929 wurde er gar zum Prokuristen ernannt. Auf Anregung des amerikanischen Fotografen Andreas Feininger begann er, sich intensiv mit Fotografie zu beschäftigen und erhielt wichtige Impulse durch die Arbeiten von Man Ray, René Magritte und Giorgio de Chirico. Seine ersten fotografischen Gehversuche, die er ab 1930 unternahm, erhielten einen frühen Dämpfer durch den Tod des Vaters, der ein stärkeres Engagement in der väterlichen Firma nötig machte. Weil er Fotografie und Arbeit dauerhaft nicht in Einklang bringen konnte und außerdem wegen kritischer Äußerungen eine Verfolgung durch die Nationalsozialisten befürchten musste, übergab er die Unternehmensleitung schließlich an seinen jüngeren Bruder und emigrierte nach Paris. Dort widmete er sich ganz der Kunst und konnte in der Galerie du Chasseur d'Images seine erste Ausstellung eröffnen.

Erste fotografische Engagements in London, Mitglied von Magnum

1937 hielt sich Herbert List in London auf, versuchte sich dort in der Studiofotografie und arbeitete für renommierte Zeitschriften wie Life, Harper's Bazaar, Vogue und Verve. Mit dem aus Russland stammenden Modefotografen George Hoyningen-Huene unternahm er eine Reise nach Italien und Griechenland, auf der zahlreiche Fotografien entstanden, die später teilweise in dem Bildband Licht über Hellas publiziert wurden. Als deutsche Truppen in Griechenland einmarschierten, musste List nach Deutschland zurückkehren und nahm seinen Wohnsitz in München. Dort fotografierte er die Trümmer der vom Krieg gezeichneten Stadt, es entstand so eine eindrucksvolle Dokumentation der Zerstörung und des Elends. Nach dem Krieg unternahm Herbert List wieder zahlreiche Reisen und veröffentlichte die dabei entstandenen Fotografien in verschiedenen Zeitschriften, auch gab er mehrere Bildbände heraus. Zwar war er Mitglied der berühmten Fotoagentur Magnum, übernahm für diese aber nur wenige Aufträge. Im Jahr 1963 erschien das letzte Fotobuch von Herbert List: Bildwerke aus Nigeria.

Plötzlicher Rückzug auf dem Höhepunkt des Ruhmes

Sein fotografisches Werk brachte Herbert List Preise und Auszeichnungen; 1964 erhielt er die David-Octavius-Hill-Medaille; seine Porträts und Akte (meist Männer und Knaben) wurden in den großen Kunstmetropolen der Welt gezeigt, darunter London, Mailand, Düsseldorf und New York. Für die letzten Jahre seines Lebens tauschte Herbert List unversehens die Kamera gegen den Spazierstock und ließ alles Fotografieren sein: Mit seinem Königspudel Taps flanierte er gern im Englischen Garten und sammelte italienische Barockzeichnungen. Noch immer unternahm er zahlreiche Reisen, aber es entstanden dabei keine Fotografien mehr.

Am 4. April 1975 starb Herbert List in München. Der Bildjournalist und Fotograf Max Scheler verwaltete seinen fotografischen Nachlass. Der englische Dichter Stephen Spender verewigte List in seinem Roman Der Tempel in der Figur des »Joachim«. Sein einzigartiger Stil wirkt noch immer prägend auf die Fotografen der neuen Generation, so orientierte sich Bruce Weber für eine Werbekampagne des Modelabels Calvin Klein an den Arbeiten von Herbert List.

Herbert List Preise

Künstler Kunstwerk Preis
Herbert List Duschende junge Männer, Phoenix Gummiwerke, ... €5.950
Herbert List Le Couple €4.522
Herbert List Blick aus dem Fenster I, Trastevere €3.570
Herbert List Ohne Titel (Junge Männer, Thyssen) €3.146
Herbert List Am Morgen, Athen €3.068

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