Surrealismus

Das Vorrecht der Kunst, das Nichtexistierende darzustellen und die Grenzen der Wirklichkeit zu überwinden, wurde von den Künstlern des Surrealismus auf die Spitze getrieben: Das Verhältnis von Traum und Realität wurde umgekehrt, der bewusste Akt des Schöpfens durch einen automatischen Impuls des Unbewussten ersetzt.

 

Surrealismus - Inhaltsverzeichnis

Surrealismus Definition und Surrealismus Kunst Merkmale

Der Begriff Surrealismus leitet sich her vom französischen Wort sur ›über‹, aus dem der französische Dichter Guillaume Apollinaire (1880–1918) im Jahr 1917 die Bezeichnung surréaliste formte, mit der er eine literarische und bildnerische Strömung seiner Zeit möglichst unbelastet beschreiben wollte – eine Strömung, die über die vertrauten Grenzen der Realität hinausging. So wird also mit dem Wort Surrealismus Kunst bezeichnet, die sich nicht innerhalb der Logik der Naturgesetze bewegt.
Oft wird Surrealismus einfach erklärt als Darstellung des Unwirklichen, Traumhaften, aber nicht: des Sinnlosen, denn es besitzen im Surrealismus Bild und Text eine tiefere Symbolik, die zu entschlüsseln nicht immer leichtfällt, aber in vielen Fällen doch möglich ist.
Auch aufgrund seiner programmatischen Unvoraussagbarkeit lässt sich die Frage, welche Merkmale Surrealismus genau ausmachen, nur annähernd beantworten: Surrealistische Gemälde sind stets figurativ, wenn auch das Dargestellte nicht eine Wiedergabe des tatsächlich Existierenden ist.
So ist im Surrealismus Landschaft keine bewusste Nachahmung der Natur, sondern die aus dem Unbewussten aufsteigende Wiedergabe eines Traumbildes. Auch ist im Surrealismus Porträt kein Abbild der äußeren Person, sondern mehr des von innen nach außen gekehrten Wesens. Obwohl der Surrealismus Merkmale ausgebildet hat, an denen man die Zugehörigkeit eines Werkes oder Künstlers festmachen kann, fällt das Urteil der Fachwelt nicht immer eindeutig aus und es gibt verschwimmende Grenzen, zumal die einzelnen Künstler oft ihren eigenen Stil ausgeprägt haben.

Wurzeln und Geschichte des Surrealismus

Am Anfang waren die Wörter: Nicht Maler, sondern Dichter brachten die surrealistische Kunst auf den Weg. Die surrealistische Bewegung war zunächst eine literarische, als im Jahr 1924 in der ewigen Kunsthauptstadt Paris der französische Dichter André Breton (1896–1966) seine Programmschrift Manifeste du surréalisme, sein erstes »Manifest des Surrealismus«, veröffentlichte. Der studierte Psychologe Breton bezog sich in seinen Ausführungen auf das im Jahr 1900 erschienene Werk Traumdeutung des österreichischen Arztes und Begründers der Tiefenpsychologie Sigmund Freud (1856–1939) und den Symbolismus, aber auch durch die Ideen der Dada Bewegung wurde der Surrealismus beeinflusst. Unterstützt wurde er von seinen gleichgesinnten Dichterfreunden Louis Aragon (1897–1982) und Philippe Soupault (1897–1990).
Auch wenn die surrealistische Bewegung erst mit Bretons Manifest begann, lassen sich Spuren surrealistischer Malweise schon bei früheren Künstlern finden – insbesondere bei dem berühmten niederländischen Renaissance-Meister Hieronymus Bosch (um 1450–1516), dessen Werk in vielerlei Hinsicht surrealistisch anmutet. Als wegweisend für die Bewegung der Surrealisten wird das Bild Der Nachtmahr oder Der Alp des schweizerisch-englischen Malers Johann Heinrich Füssli (1741–1825) gewertet. Wichtigster Vorläufer der surrealistischen Malerei war aber die in Italien aufgekommene Pittura metafisica mit ihrem Hauptvertreter Giorgio de Chirico (1888–1978).

 

Bedeutende Künstler des Surrealismus

Obwohl mit André Breton ein Literat als erster Surrealist gilt, sind nicht Texte, sondern Bilder die ikonischen Kunstwerke der surrealistischen Kunst geworden. Tatsächlich zog gerade diese Art der Kunst Künstler an, die besonders visuell orientiert waren.
Max Ernst (1891–1976) führte das surrealistische Manifest Bretons in seinem 1934 verfassten Essay Was ist Surrealismus? fort und betonte darin die passive Rolle des Künstlers, der eben nicht als Schöpfer die Zügel in der Hand halten, sondern sich selbst der Lenkung durch das Unbewusste hingeben sollte. Dabei verstand Max Ernst Surrealismus auch als eine Form des Aufbegehrens: Traditionelle Normen der Malerei, insbesondere der christlichen Ikonografie, wurden verfremdet und munter ins Gegenteil verkehrt, zum Beispiel auf dem 1926 entstandenen Bild Die Jungfrau haut das Jesuskind vor Zeugen, auf dem neben Ernst selbst auch Breton und der surrealistische Lyriker Paul Éluard (1895–1952) zu sehen waren.
Wie Max Ernst überließ auch Hans Arp (1886–1966) die Wahl seiner Motive dem Zufall, während Salvador Dalí (1904–1989) auf Halluzinationen und Träume setzte und René Magritte (1898–1967) mit Verzerrungen und Verfremdungen der Perspektive spielte. Joan Miró (1893–1983) hingegen zeigte sich tief beeindruckt von den primitiven Höhlenmalereien der Vorfahren und benutzte diese als Ausgangspunkt für seine Bilder.

 

In den 1950er Jahren galt neben Dalí René Magritte als bedeutendster Vertreter des Surrealismus. Obgleich der schillernde und als extrovertierter Magier gefeierte Salvador Dalí René Magrittes bürgerlich-bescheidene Lebensweise deutlich konterkarierte, schenkten beide dem Surrealismus Kunstwerke von höchstem Rang.
Außerdem werden dem Surrealismus Künstler wie Man Ray (1890–1976) und Yves Tanguy (1900–1955) zugerechnet, die mit Ausstellungen in New York und anderen amerikanischen Städten der surrealistischen Bewegung auch in den USA zum Durchbruch verhalfen. Gerade Yves Tanguy half als Auswanderer dabei, eine Brücke zwischen der alten und der neuen Welt zu bauen – nach surrealistischer Manier, versteht sich.
Berühmte surrealistische Malerinnen dwaren die deutsch-schweizerische Künstlerin und Lyrikerin Meret Oppenheim (1913–1985), die amerikanische Bildhauerin, Malerin und Schriftstellerin Dorothea Tanning (1910–2012) und die mexikanische Malerin Frida Kahlo (1907–1954). Die Zuordnung von Frida Kahlo wird allerdings gelegentlich mit gewissen Einschränkungen versehen.
Auch Künstler, die nicht oder nicht mehr im engen Sinne Surrealisten genannt werden, wurden doch vom Surrealismus beeinflusst, darunter der dänische Grafiker, Keramikkünstler und Schriftsteller Asger Jorn (1914–1973) und der französische Bildhauer, Maler und Grafiker André Masson (1896–1987), der die Surrealisten aufgrund der schwelenden Streitigkeiten in der Gruppe wieder verließ. Führt ein Künstler Surrealismus in seiner Biografie auf, so kann das also auch nur eine Phase gewesen sein, die nicht zwangsläufig seine Identität bestimmt hat. Maler, die dem Surrealismus nahestanden, ohne unmittelbar zum Kreis der Surrealisten zu gehören, waren auch Marc Chagall (1887–1985), Pablo Picasso (1881–1973) und Paul Klee (1879–1940).

 

Im Lauf der Jahre hat der Surrealismus Kunst von hohem Rang hervorgebracht und auch jenseits von Literatur und Malerei Spuren hinterlassen. Der spanische Regisseur Luis Buñuel (1900–1983), einer der wichtigsten Filmemacher des 20. Jahrhunderts, wurde zu Beginn seiner Laufbahn mit surrealistischen Stummfilmen bekannt. Vor allem aber hat der Surrealismus Bilder und ihre Sprache geprägt, ob nun in malerischer oder filmischer Form, und bis heute werden seine Werke vor allem visuell charakterisiert.
Auch nach dem Abflauen der ersten Surrealisten-Generation entstanden im Geist des Surrealismus Werke von hoher Signifikanz, so spricht man ab 1945 auch von einem Neosurrealismus, zu dem die Wiener Schule des Phantastischen Realismus gezählt wird.
Noch immer besitzt der Surrealismus Bedeutung in der Kunstszene. So hat das Museum Barberini Surrealismus zum Mittelpunkt einer aufsehenerregenden Werkschau gemacht. Die Ausstellung unter dem bezeichnenden Titel Surrealismus und Magie war vom 22. Oktober 2022 bis zum 29. Januar 2023 zu sehen.

 

Kunstwerke von Surrealismus bei Lempertz

Das wahrscheinlich größte Surrealismus Gemälde der Welt stammt von Salvador Dalí und ist eigentlich ein Bühnenvorhang. Das bei Lempertz im Privat Sale angebotene Kunstwerk mit dem Titel Mad Tristan wurde 1944 in New York für ein ›Paranoisches Spektakel‹ des exzentrischen Künstlers geschaffen und 2009 aufwendig und fachmännisch restauriert.
René Magritte ist immer wieder mit reizvollen Stücken auf Auktionen bei Lempertz vertreten, unter anderem mit der Bronzeplastik Les Menottes de Cuivre, die auf einen Wert von 10.000 bis 15.000 Euro geschätzt wird.
Geradezu als Stammgast kann Joan Miró gelten, dessen Werke eine erfolgreiche Tradition bei Lempertz verkörpern: Das mit schwarzer Tusche vom Künstler selbst signierte Bild Femme et oiseaux dans la nuit aus der Sammlung des Kunsthistorikers Will Grohmann (1887–1968) übertraf den Schätzwert von 70.000 bis 90.000 Euro deutlich und erlöste 161.200 Euro.

 

Kommende Auktionen - Surrealismus

Auktion 1247 - Evening Sale - Zeitgenössische Kunst

Dienstag 04. 06. 2024
Auktion
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Vorbesichtigung
München
2. – 3. Mai

Berlin
23. Mai (Vernissage)
24. – 25. Mai

Brüssel
23. - 28. April

Köln
29. Mai – 3. Juni
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Auktion 1247 - Evening Sale - Moderne Kunst

Dienstag 04. 06. 2024
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München
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Berlin
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24. – 25. Mai

Brüssel
23. - 28. April

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29. Mai – 3. Juni
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Auktion 1248 - Day Sale - Zeitgenössische Kunst

Mittwoch 05. 06. 2024
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Brüssel
23. - 28. April

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29. Mai – 3. Juni
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Auktion 1248 - Day Sale - Moderne Kunst

Mittwoch 05. 06. 2024
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Auktion 1251 - Contemporary Art Online

Montag 27. 05. 2024 - Freitag 07. 06. 2024
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Unsere vergangenen Surrealismus Auktionen

Surrealismus Preise

Ein paar Beispiele für Surrealismus -Preise, die in Lempertz-Auktionen versteigert wurden:

Surrealismus Auktion - Lot Nr. Objekt Price
SurrealismusAuktion 1177 - Lot 22Max Ernst - Mer agitée, soleil, nuage et maître Corbeau avec son fils
 
620.000 €
SurrealismusAuktion 1187 - Lot 41Max Ernst - Flaneurs (Les enfants de la Huchette)
 
312.500 €
SurrealismusAuktion 1143 - Lot 203Joan Miró - Femme et oiseaux dans la nuit
 
161.200 €
SurrealismusAuktion 1177 - Lot 44SALVADOR DALÍ Y DOMENECH - Tienta en Espana (Epreuve de corrida en Espagne)
 
143.750 €
SurrealismusAuktion 943 - Lot 41SALVADOR DALÍ Y DOMENECH - Nature morte au drapé blanc
 
126.000 €
SurrealismusAuktion 923 - Lot1Hans Arp - Relief concret D
 
96.000 €
SurrealismusAuktion 1203 - Lot 258Man Ray - Objet Indestructible (Metronom)
 
42.840 €
SurrealismusAuktion 1163 - Lot 344Marcel Duchamp - Prière de toucher - Le surréalisme en 1947
 
25.000 €
SurrealismusAuktion 847 - Lot 818René Magritte - L' Aube à l'Antipode
 
18.445 €
SurrealismusAuktion 979 - Lot 392René Magritte - Ohne Titel (Poire)
 
18.150 €
SurrealismusAuktion 1071 - Lot 727Meret Oppenheim - Ohne Titel (Reisegalerie)
 
6.448 €

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