Saint Phalle, Niki de

Niki de Saint Phalle

Niki de Saint Phalle

Niki de Saint Phalle glaubte an das Matriarchat, malte mit Gewehrschüssen und formte groteske, bunt bemalte Frauenleiber, die sie auf der ganzen Welt berühmt machten.

Niki de Saint Phalle - Missbrauch, frühe Ehe und Aktionskunst

Niki de Saint Phalle wurde am 29. Oktober 1930 in Neuilly-sur-Seine geboren. Weil ihr Vater, ein französischer Bankier adeliger Abstammung, sein Vermögen während des Börsenkrachs von 1929 verloren hatte, wuchs Niki de Saint Phalle großenteils in den USA, der Heimat ihrer Mutter, auf. Als 11-Jährige musste sie sexuellen Missbrauch durch den Vater über sich ergehen lassen, ein Ereignis, das ihre spätere Laufbahn als Künstlerin stark prägte. Mit 18 Jahren heiratete sie, auch als Protest gegen ihre Familie, ihren Jugendfreund, den amerikanischen Schriftsteller Harry Matthews. Die Ehe brachte zwei Kinder hervor und wurde 1960 geschieden, Matthews unterstützte seine Ex-Frau aber weiterhin durch den Kauf einiger ihrer Kunstwerke. Als Künstlerin hatte sich Niki de Saint Phalle seit 1953 betätigt, aber erst 1956 erzielte sie mit ihren »Schießbildern« großflächige Aufmerksamkeit. Bei diesen handelte es sich um Reliefs aus Gips, die mit Farbbeuteln behängt waren, auf die Niki de Saint Phalle vor Publikum mit einem Gewehr schoss. Die auslaufende Farbe schuf ein neues Kunstwerk, mit dem die Künstlerin ihre Wut auf den Vater, die Männer im Allgemeinen und schließlich auf die ganze Welt verarbeitete.

»Alle Macht den Nanas!«

1962 nahm sich der Mäzen Alexander Iolas der jungen Künstlerin an, förderte sie finanziell und machte sie mit den führenden Vertretern der zeitgenössischen Kunstszene bekannt. Im selben Jahr nahm sie in Amsterdam mit ihrem späteren zweiten Ehemann Jean Tinguely sowie den Künstlern Daniel Spoerri, Per Olof Ultvedt, Martial Raysse und Robert Rauschenberg an der experimentellen Ausstellung Dylaby teil. 1965 begann Niki de Saint Phalle mit der Gestaltung ihrer berühmten Nana-Figuren, bunten Frauengestalten, die sie zunächst aus Drahtgestellen und Stoffen fertigte, bald aber vorwiegend aus Polyester formte. Für die Künstlerin bedeutete diese Arbeit eine Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau, sie verstand die Nana-Figuren schließlich als Vorboten eines beginnenden Matriarchats. Ihre größte Nana schuf Niki de Saint Phalle gemeinsam mit Jean Tinguely und Per Olof Ultvedt für das Moderna Museet in Stockholm. Das Kunstwerk war 29 Meter lang, wurde auf den Namen Hon getauft (schwedisch ›sie‹) und konnte durch die Vagina betreten werden. Im Inneren fanden sich unter anderem ein Kino und eine Milchbar. Die Künstlerin wollte damit das tradierte Idealbild der Frau ironisch kommentieren.

Gestalterin des öffentlichen Raumes

1971 heiratete Niki de Saint Phalle ihren Künstlerkollegen Jean Tinguely und nahm die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Gemeinsam mit Tinguely pflegte sie nicht nur eine enge Freundschaft zu dem in der Schweiz lebenden Kunstsammler Theodor Ahrenberg, sondern auch fruchtbaren Umgang mit der Künstlergruppe »Nouveaux Réalistes«, zu der unter anderem Jacques Villegle, Yves Klein, Daniel Spoerri und Arman zählten. Weitere berühmte Werke der Künstlerin sind der Strawinski-Brunnen in Paris, eine schwebende Frauenfigur namens »Schutzengel« im Züricher Hauptbahnhof und die nach ihr benannte Grotte im Großen Garten in Hannover-Herrenhausen.

Niki de Saint Phalle starb am 21. Mai 2002 in San Diego. Im selben Jahr wurde die Einkaufspassage Passerelle in Hannover zur Niki-de-Saint-Phalle-Promenade erklärt.

Niki de Saint Phalle Preise

Künstler Kunstwerk Preis
Niki de Saint Phalle Ohne Titel (Nana, Brunnenfigur) €300.000
Niki de Saint Phalle Ohne Titel (Nana, Brunnenfigur) €300.000
Niki de Saint Phalle Ohne Titel (Nana, Brunnenfigur) €300.000
Niki de Saint Phalle Buddha €264.000
Niki de Saint Phalle Ganesha €216.000

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