Räderscheidt, Anton

Anton Räderscheidt

Nach expressionistisch-konstruktivistischen Anfängen entwickelte sich Anton Räderscheidt zu einem der profiliertesten Vertreter der Neuen Sachlichkeit, dem gerade in jüngerer Zeit wieder verstärkt Aufmerksamkeit zuteilwird.

Anton Räderscheidt - Studium bei Eduard von Gebhardt und Lothar von Kunowski

Anton Räderscheidt wurde am 11. Oktober 1892 als eines von sieben Kindern des bekannten Mundartdichters Wilhelm Räderscheidt in Köln geboren. Nach dem Willen des Vaters hätte Anton Räderscheidt Lehrer werden sollen, doch er entschied sich schon früh für die Kunst, besuchte nach dem Abschluss der Realschule 1910 erst die Kunstgewerbeschule in Köln und studierte danach in Düsseldorf bei Lothar von Kunowski und Eduard von Gebhardt. Bereits 1913 konnte er in seiner Heimatstadt sein erstes Atelier eröffnen, musste seine vielversprechende Künstlerlaufbahn allerdings zurückstellen, als ihn die Einberufung zum Militär ereilte. Bei der Schlacht um Verdun wurde er schwer verwundet und galt seitdem als dienstuntauglich. So konnte er 1917 seine Ausbildung fortsetzen und noch im selben Jahr sein Staatsexamen ablegen. Ein zweijähriges Referendariat an einem Kölner Gymnasium schloss sich an, ehe er 1918 die dadaistische Künstlerin Marta Hegemann heiratete, mit der er zwei Söhne hatte.

Erfolge als freischaffender Künstler, Flucht vor den Nationalsozialisten

Ab 1919 war es Anton Räderscheidt möglich, von seiner Kunst zu leben. Er lernte Künstlerkollegen wie Hans Arp, Heinrich Hoerle, Wilhelm Fick und Franz Wilhelm Seiwert kennen und gründete mit diesen die Künstlervereinigung »Stupid«. Gemeinsam veranstaltete man private Ausstellungen im Atelier von Anton Räderscheidt, ab 1920 konnte er auch an öffentlichen Ausstellungen teilnehmen. 1932 beteiligte sich Räderscheidt an der Gründung der kurzlebigen avantgardistischen »Gruppe 32«, die sich nach einem Jahr bereits wieder auflöste. Die Inspiration, die ihm eine Studienreise nach Italien brachte, wurde durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten zunichtegemacht: Die Kunst von Anton Räderscheidt galt als »entartet«, er ließ Frau und Kinder in Deutschland zurück und floh mit seiner jüdischen Geliebten Ilse Meyer-Metzger erst nach Paris, dann weiter nach Sanary. Die Sicherheit in Frankreich erwies sich als trügerisch und die Ängste des Künstlers bewahrheiteten sich, als die deutschen Besatzer ihn gemeinsam mit berühmten Kollegen in Les Milles internierten. Zwar gelang ihm die Flucht in die Schweiz, aber sein Pariser Atelier und ein großer Teil seiner Werke wurde in den Kriegswirren vernichtet.

Schwierige Nachkriegsjahre, gesundheitliche Einschränkungen

1949 kehrte Anton Räderscheidt nach Köln zurück. Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, musste er zahlreiche Porträts und Städtebilder anfertigen, daneben verfolgte er aber zum eigenen Gefallen seinen individuellen reduzierten Malstil weiter. Trotz aller Mühen war es ihm aber nicht möglich, an die großen Erfolge der Vorkriegsjahre anzuknüpfen. 1963 heiratete er seine zweite Frau Gisèle Boucherie, mit der er ebenfalls zwei Söhne hatte. In der Folgezeit widmete Räderscheidt der Farbe mehr und mehr Aufmerksamkeit, experimentierte insbesondere bei seinen zahlreichen Selbstporträts mit expressiven Farbkompositionen, die der Kunstkritik heute als Vorbild für den Stil der »Jungen Wilden« gelten. 1968 erlitt Anton Räderscheidt einen Schlaganfall und musste das Sehen und Malen ganz neu erlernen. Die Werke dieser Jahre legen ein beeindruckendes Zeugnis davon ab, wie der Künstler sich ganz allmählich wieder an seine volle Schaffenskraft herantastete.

Anton Räderscheidt starb am 8. März 1970 in seiner Geburtsstadt Köln. Seine Enkelin Maf Räderscheidt ist ebenfalls als Künstlerin erfolgreich.

Anton Räderscheidt Preise

Künstler Kunstwerk Preis
Anton Räderscheidt Tulpenstilleben €33.600
Anton Räderscheidt Drei Figuren (Doppelselbstbildnis mit Martha) €12.100
Anton Räderscheidt Selbstbildnis €12.000
Anton Räderscheidt Paar €9.520
Anton Räderscheidt Le Paysan endimanché €8.330

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